Titel:
Das Leben Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen
Personen:
Hoffmeiser, Philipp Wikipedia
Signatur:
35 8° H.Phil.Magn. 6a
PURL:
https://orka.bibliothek.uni-kassel.de/viewer/image/1523438782712/12/

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Mauern noch jetzt in das unmuthige Thal der Lahn
hernieder schauen, erblickte er zuerst das Licht der Welt.
Landgraf Wilhelm, der beglückte Vater, der einen
Knaben auS erster Ehe nebst der geliebten Gattin Jo-
lantha, einer Tochter des Herzogs Friedrich von Loth
ringen, zu früh verloren, hatte sich am 20. Oktober
1500 zum zweitenmal auf das Drängen der Räthe und
Stände des Landes vermählt und zwar mit Anna, der
Tochter Magnus II., Herzogs von Mecklenburg, die mit
einer hervorleuchtenden Schönheit viel Ehrgeiz und einen
männlichen Geist besaß, und außer einer früh verstor
benen Tochter, Magdalene, ihren Gemahl mit Elisa
beth, der nachherigen Gemahlin Herzogs Johann von
Sachsen, geboren am 4. März 1502, beschenkte. — Wie
sonderbar das menschliche Geschick oft wechselt; Landgraf
Wilhelm, den man als zweiten Sohn Ludwig des Herz
haften (4 1471 im 34sten Lebensjahre) zum geistlichen
Stande bestimmte, wurde, während sein Bruder Wil
helm I. Niederhesscn mit Ziegenhain, und sein Vetter
Wilhelm III., ein Sohn Heinrich III., Oberhessen und
Nidda besaß, im Jahre 1500 Regent von ganz Hessen,
das seit 42 Jahren, seit dem Tode Ludwigs des Fried
samen, unter mancherlei Streitigkeiten getheilt gewesen
war. Allein die sorgfältige Erziehung, welche ihm zu
dem Ende geworden, brachte ihm und dem Lande, dessen
Regierung er später übernahm, deshalb doch keinen
Schaden. Sie verschaffte ihm, verbunden mit Muth,
Kühnheit und Gegenwart des Geistes, die besondere
Gunst seines Erziehers und Oheims mütterlicher Seite,
Eberhards des Bärtigen zu Stuttgardt, so daß er den
selben auf allen Zügen begleiten mußte, und dieser so
gar, wie man glaubte, ihn wegen der verdrießlichen
Händel mit Eberhard dem Jüngeren zu seinem Erben