Full text: Die Geschichte des Fahrrades

fast unbegreiflicher Kampf, den hier Heinrich Kleyer und 
die kleine, sich aber ‚stetig entwickelnde Sportjüngerschaft 
gegen die Gefahren und Hemmnisse des Radfahrens auf sich 
nahmen. 
Heinrich Kleyers unermüdlicher Tätigkeit gelang es trotz 
allem, das Fahrrad in weiten Volkskreisen beliebt zu machen 
und so ‚auch das Absatzfeld anzubauen. Noch aber war 
Deutschland ganz und gar von der englischen Einfuhr abhän- 
gig. Es galt daher nicht nur, den deutschen Tatgeist von dem 
englischen Fabrikate frei zu machen, sondern es war auch 
notwendig, das deutsche Publikum von dem Glauben an die 
Unübertrefflichkeit des ausländischen Erzeugnisses zu be- 
freien. Es ist das unbestreitbare Verdienst Heinrich”Kleyers;, 
daß er diesen Irrglauben schnell und gründlich brach und 
durch die Herstellung eines wahrhaft guten, deutschen Rades 
die heimische Fahrradindustrie in den Sattel hob. „Radler, 
fahr’ Adler!‘ ist das geflügelte Wort des deutschen Radfahrers 
geworden. 
Nachdem Heinrich Kleyer in seiner schon damals bewiese- 
nen Vorsorge zunächst versucht hatte, durch vertragliche Ver- 
bindung mit der Frankfurter Maschinenfabrik Spohr & Co. 
hier die Räder für seine Rechnung anfertigen zu lassen und 
so den ersten Schritt zur Aufnahme. der Herstellung zu tun, 
schritt er bald zur Eigenfabrikation. 
Das erste Stockwerk seines neuen großen Geschäftshauses 
in der Gutleutstraße 9 wurde für die fabrikmäßige Anfertigung 
von Fahrrädern eingerichtet. Heinrich Kleyers technische 
Kenntnisse, sportliche Erfahrungen und. geschäftliche Be- 
gabung kamen der jungen Fabrikation zu vollem Nutzen, so 
daß er ein Fahrrad auf den Markt brachte, das die englischen 
Räder aus dem Felde schlug. Inzwischen war auch die übrige 
Technik vorgeschritten. Die Anwendung der Kugellager, 
durch die es möglich war, die große gleitende Reibung der 
Achsen und sonstigen Teile in die.ungleich geringere, rollende 
Reibung umzusetzen, bedeutete einen außerordentlichen Fort- 
schritt auf dem Gebiete des Fahrradbaues. Dazu kam die Er- 
findung des Gummireifens, der‘ das Fahren auf dem Rade erst 
weich und angenehm machte und dessen! Einführung im großen 
sich Heinrich Kleyer alsbald besonders angelegen sein ließ. Das be- 
deutungsvollste Ereignis aber war das Auftreten des Nieder- 
rades. Der Einfluß auf das Fahrradwesen war gewaltig. Die 
verhältnismäßig geringere Geschwindigkeit des Hochrades und 
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