Full text: Festschrift zum 150. Jubiläum des Staatlichen Friedrichsgymnasiums zu Kassel

9 
Das Lyceum in der Rönigsstraße 
Eingaben und Beschwerden wies der Rektor darauf hin, daß die Grundmauern 
um fünf Zoll ausgewichen und daß infolgedessen überall Riffe entstanden seien. 
Der Subkantor behauptet sogar in einer Eingabe, durch die wände unmittel 
bar auf die hohentorstraße sehen zu können. Die Fenster konnten zum Teil 
nicht mebr geschloffen werden, und das ganze Haus litt unter der überall ein 
dringenden Feuchtigkeit. Die holzteile verfaulten, und öfter wurden die Be- 
wobner durch ein bedenkliches Rrachen der Balken in Schrecken versetzt. Der 
Stadtrat selbst nennt in einem Bericht das Haus eine „der ganzen Stadt zum 
Spektakul stehende Mördergrube". — Da Stadt und Rirche völlig versagten, 
sprang endlich der hochherzige Landgraf Friedrich II. ein und verschaffte der alten 
Schule aus eigenen Mitteln ein neues <$dm. — Noch einmal fand zu Gstern 1777 
die Entlastung der abgehenden Schüler in der Martinskirche statt. In feier 
lichem Zuge schritt die ganze Schulgemeinde unter Führung des Rektors aus 
dem Rreuzgang in den Dom. Nach einem Dortrag des Sängerchors und 
einem gemeinsamen Thor unter Grgel- und Posaunenbegleitung, dem eine 
Einspräche des Geistlichen folgte, nahm der alte Rektor Deit den Abgehenden 
am Altar das Gelübde ab, ein sittliches Leben zu führen und sich mit Ernst 
der Wissenschaft zu widmen. Diese letzte Feier war zugleich die Totenfeier 
der alten Stadtschule. Der alte Bau wurde endlich niedergeriffen. Die 
heimatlosen fanden zunächst einen vorläufigen Unterschlupf im Hause eines
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.