Volltext: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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Anbei, vermuthlich wegen meines ‚Alters, Schwachheit, und. täg- 
lichem Abnehmen der Kräfte zum letztenmal, berufe ich Sie zum Rich- 
terstuhle Ihres Gewissens, wie oft und viel ich in allen meinen Cirkular- 
schreiben meine Geehrten Herren Pfarrer obtestieret, ermahnet, gebeten 
und geflehet, in Ihrem wichtig schweren Amt alle Treue, Fleiss, Kräfte 
Leibes und der Seele anzuspannen und sich keiner öffentlichen und privat, 
ordinären und extraordinären Arbeit und Mühe verdriessen zu lassen, in 
Catechisationen publicis und privatis, wie auch visitationibus et cho- 
lasticis et domesticis junge und alte aus der groben Unwissenheit 
herauszureissen, ihnen den Weg zu zeigen, ihr inneres Verderben durch 
die Erbsünde und lasterhafte Gewohnheit, Eitelkeit und - Weltliebe ernst- 
lich einzusehen, und Gott um die Gnade des heiligen Geistes um Christi 
Tod und Auferstehung zur wahren uw&eT@voL&/, in wahrhafter Buss und 
Glauben ernstlich und inbrünstig zu bitten. Zu dem Ende ich mein 
in 1727 ausgegebenes Pastoral-Schreiben, das hier auf der Registratur 
zu haben, oder bei Herrn Kassen-Verwalter Mehlburger, gar sehr 
zum fleissigen Lesen, Betracht- und Uebung will recommandieret haben. 
Nebstdeme recommandiere auch Ihre Kirchengefälle, dass sie treulich 
administrieret, der Ausstand eingetrieben, die liquidationes gemacht, mit 
Amtshülfe eingefordert und der Bauleute recesse berichtiget, mithin 
durch neue Capitalien der Kirchen-Renten vermehrt werden.‘ Wobei 
ich mich schuldigst und dankbarlichst erinnere, wie meine Geehrten 
Herrn Pfarrer bei Kirchenvisitationen und Rechnungsverhör mir. viele 
Höflichkeit mit liebreicher Aufwartung, Speis, Trank und Lager erwiesen, 
und mich ihrer Kirchen zum Besten und mir zum Vergnügen frei ge= 
halten, da ich sonst nebst meinem gewöhnlichen. Gebühr 3 ä 4 Gulden 
als partem salarıi pro Inspectoratu auch täglich 3 Gulden diaeten mit 
Recht nehmen können, als der ich vom Inspectorat keinen Heller sala- 
rium habe, sondern mit meinem College 2%° in allem gleichstehe, wel- 
ches in 40 Jahren schon eine gute Summa hätte machen können. Doch 
ist Alles zur Ehre Gottes und Dienst der Kirchen geschehen, nach meiner 
Schuldigkeit. Indessen bin ich meinen Geehrten Herrn Brüdern zu 
danken schuldig, wie hiermit geschiehet, und ich Ihnen davor Gottes 
gnadenreichen Segen nach Seel und Leib von Herzen anwünsche, Gott 
erhalte Sie in seiner scligmachenden Gnade bis zum spätesten Alter! 
Ich aber bitte Gott vor dieselbigen und ersterbe in Liebe und schuldi- 
gem Dank gegen Gott und Sie. Habe ich Jemanden etwas zu nahe 
getan, so ist es in Unwissenheit oder krafft meines Ambts oder rechts- 
wegen ohngefähr geschehen, bitte um Vergebung, der ich bin 
Meiner geehrten Herrn Pfarrer 
dienstwilliger 
Fr. Grimm, moritura 
Hanau, den 17. Marti 1748. manu e lecto. 
aetat. 76, ministerii 50., 
inspectoratus 42.; totius 
minister1i Senior. -
	        

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