Full text: Brief von Franz Engelhard an Ludwig Emil Grimm

Düsseldorf den 9ten Februar 1815

Lieber Ludwig. Aus meinem letzten Briefe wirst Du

wohl ersehen haben, daß keiner Deiner bisherigen Briefe

an mich verloren gegangen ist und daß sich die unserigen

nur gekreutzt haben. Hoffentlich ist dieses diesmal wieder

der Fall, und ich erhalte alsdann in einigen Tagen wieder

einen Brief von Dir.

Vorerst meinen herzlichen Dank für Deinen letzten

Brief. Ich begreife aber nicht, wie Du mich beschuldigen

kannst, daß mein vorletzter Brief so voll Unzufrieden-

heit und Mismuth gewesen seÿ; auch daß ich mit meinem

Fache unzufrieden seÿ. Darin hast Du aber Recht, daß

ich es viel besser habe, als der beÿ weitem größte Theil

der Menschen und daß es mir eigentlich noch nie schlimm

gegangen ist. Ich sehe dies sehr wohl ein und bin im Gan-

zen genommen doch auch fröhlichen Sinnes, nur zuweilen

etwas zu nachdenkend und beÿ Erwägung der menschlichen

Gebrechlichkeit und Unvollkommenheit unzufrieden.

Der heutige Tag ist Z.L. ein etwas trüber und ich sollte

daher an dem Abende desselben, wie ich wirklich thun, nicht

an Dich schreiben, um nicht wieder Vorwürfe zu erhalten;

allein ich scheue mich nicht vor Dir und betrachte diese Vor-

würfe als die vollgültigsten Zeugen Deiner liebevollen

Gesinnungen gegen mich. Findest Du es nicht ganz na-

                                                                               türlich

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