Full text: Geschichte der Residenzstadt Cassel

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VII. 
Das Zeitalter des Landgrafen Karl. / Gründung der 
Oberneustadt. / Zweite Blüteperiode, t6T7—1730. 
Am 8. August 1677 hatte die fandgräfin Hedwig Sophie endlich ihren 
Sohn Karl als mündig betrachtet und dem ungeduldig Harrenden die Re- 
gierungsgeschäfte übergeben. Der junge sandgraf brannte uor Begierde, 
sich zu betätigen und sein fand reich zu machen; und unsere Stadt hat wohl 
nie eine merkwürdigere Epoche erlebt als die, die jetzt begann. 
Hm dies zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen einerseits eine 
in Armut und Jndolenz versunkene Bevölkerung, die sich von den Tlachwehen 
des Dreißigjährigen Krieges nicht erholen konnte; andererseits das Beispiel 
glücklicherer Hationen, wie Englands, Frankreichs und der Niederlande, 
die durch Ausnutzung aller Hilfskräfte zu einer vorher nie erlebten Blüte 
emporstiegen, wohin man sah ausserhalb des Reiches, Jtalien allein ausge 
nommen, regte es sich mächtig. Selbst Schweden, das die Ostsee beherrschte, 
und Dänemark, beides Staaten, deren Herrscherfamilien dem hessischen Hause 
sehr nahestanden, nahmen an dem allgemeinen Aufschwung teil. Kamen 
nun die jungen Prinzen auf ihren Reisen, die sie zur Hollendung ihrer Er 
ziehung unternehmen mutzten, in jene glücklicheren fände, wirkte vor allem 
die überragende Persönlichkeit fudwigs XIV. auf sie ein, der Glanz feiner 
Bauten und seiner Hofhaltung und kehrten sie dann wieder zurück in die 
Armseligkeit ihrer kleinen Residenzen, so mutzte, wenn sie anders elastischen 
Geistes waren, der Gegensatz mächtig auf ihr Gemüt wirken. Sie brachten 
eine Fülle von Anregung und Begehrlichkeit mit heim, die durch die Berichte 
ihrer Geschäftsträger im Ausland und durch häufige Besuche fremder, ins 
besondere französischer Gäste stets neu geweckt wurden. 
Es war die Periode des Merkantilsystems. Fabriken und Gewerbe galten 
als die Haupteinnahmequellen, und der oberste Grundsatz war: Steigerung 
der Ausfuhr unter möglichster Herringerung der Einfuhr, — also: so viel als 
möglich Geld in das fand ziehen, so wenig als möglich hinausgehen lassen. Daher 
Schutzzölle und andere Prohibitivmatzregeln. Dieses System, das der Minister 
fudwigs XIV., Colbert, in Frankreich mit grotzem Erfolg eingeführt hatte, 
adoptierte Karl mit jugendlicher Begeisterung voll und ganz für fein Hessen 
land, sogar bis auf die Kanalbauten, durch die er das an schiffbaren Strömen 
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