Full text: Der alte Nettelbeck

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Nettelbeck. Alles, was von Anbeginn der Bela, 
gerung bis jetzt vom Feinde gegen uns unternommen 
worden, mochte indeß nur als ein leichtes Vorspiel von 
demjenigen gelten, wozu die dritte Morgenstunde des 
1. Juli die Loosung gab. Denn mit derselben eröffnet 
er aus all seinen zahlreichen Batterien ein Feuer gegen 
die Stadt, so ununterbrochen, so von allen Seiten kreuzend 
und so mörderisch und zerstörend, wie wir es noch nimmer 
erlebt hatten. Die Erde dröhnte davon unter unsern 
Füßen; und man kann ohne Uebertreibung sagen, daß es 
rings um uns war, als ob die Welt vergehen sollte. 
Sichtbar legten unsre Gegner es darauf an, uns durch 
ihr Bombardement zwischen dem engen Raume unsrer 
Wälle dergestalt zu ängstigen, daß wir, nirgends mehr 
unsers Bleibens wissend, die weiße Fahne zur Ergebung 
aufstecken müßten. 
Ich befand mich in dieser entsetzlichen Nacht neben 
unserm Commandanten auf der Bastion Preußen, als dem 
höchsten Punkte, den unsre Wälle zum Umherschauen dar 
boten. Von hieraus konnten wir beinahe alle feindliche 
Schanzen übersehen; und ebenso lag die Stadt vor uns. 
Es ist nicht auszusprechen, wie höllenmäßig das Aufblitzen 
und Donnern des Geschützes Schlag auf Schlag und 
Zuck auf Juck um uns her wüthete; während auch das 
Feuer unsrer Festung in seiner Antwort nichts schuldig 
blieb. In der Luft schwärmte es lichterloh von Granaten 
und Bomben; wir sahen sie hie und da und überall ihren 
lichten Bogen nach der Stadt hineinwälzen; hörten das 
Krachen ihres Zerspringens, so wie das Einstürzen der 
Giebel und Häuser; vernahmen den wüsten Lärm, dev 
drinnen wogte und toste, und waren Zeuge, wie bald hier,
	        

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