Full text: Der alte Nettelbeck

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muthigung, welche noch täglich durch die herbeiströmenden 
Flüchtlinge und tausend sich kreuzende Unglücksbotschaften 
allstündlich genährt wurde, so war jeder gute Bürger 
besorgt, auch unser Commandant könne an die Uebergabe 
der Festung denken. 
Heinrich. Was war der Commandant von Colberg 
für ein Mann? 
Nettelbeck. Unser Commandant war ein alter 
abgestumpfter Mann, der seit dem bairischen Erbfolgekriege, 
wo er ein Blockhaus gegen die Oestreicher muthig verthei 
digt hatte, zu dem Rufe gekommen war, ein besonders 
tüchtiger Officier zu sein. Späterhin hatt' er nur wenig 
Gelegenheit gehabt, seine Reputation zu behaupten; und 
gegenwärtig war der Ge^st verflogen, oder hing noch so 
blind an dem alten Herkommen, daß er sich in der neuen 
Zeit und Welt gar nicht zurechtfinden konnte. Das war 
nun ein großes Unglück für den Platz, der ihm anvertraut 
worden, und ein Jammer für Alle, welche die dringende 
Gefahr im Anzuge erblickten und ihn aus seinem Seelen 
schlafe zu erwecken vergebliche Versuche machten. 
Natürlich konnte solch ein Mann uns kein großes 
Vertrauen einflößen. Dadurch fühlte sich die ganze Bür 
gerschaft von der lebhaftesten Unruhe und Besorgniß 
ergriffen; man berathschlagte unter einander, und weil ich 
einer der ältesten Bürger war, der den siebenjährigen 
Krieg erlebt und in den früheren Belagerungen, neben 
meinem Vater, freiwillige Adjutantendienste beim alten 
braven Heyden verrichtet hatte, so wählte man mich auch 
jetzt, das Wort zu führen, und, als Repräsentant ge- 
sammter Bürgerschaft, uns mit dem Commandanten über 
die Maßregeln zur Vertheidigung des Platzes genauer zu 
verständigen.
        

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