Full text: Der alte Nettelbeck

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Schiffer besteht und das Seegericht bildet, vor welchem 
alle Schifffahrtssachen entschieden werden. Die Auszeich 
nung konnte und wollte ich nicht von mir zurückweisen; 
und so geschah es denn, daß gleich in der zweiten oder 
-ritten Session ein Schiffer, vom Colberger Deep gebürtig, 
und ein Steuermann, eben daher, aufgefordert wurden, 
ein Protokoll zu unterzeichnen. Der Schiffer kratzte seinen 
Namen mit Noth und Mühe auf das Papier; sein Ge 
fährte aber erklärte, daß er des Schreibens völlig unkun 
dig sei, und begnügte sich, seine drei Kreuze Hinzumalen. 
Ich kann nicht läugnen, daß ich mich hierbei tief in 
die Seele dieser ehemaligen Standesgenossen schämte. Weß 
das Herz voll war, deß ging auch der Mund über; und 
so bat ich meine Herren Beisitzer, es doch reiflich zu 
Herzen zu nehmen, wie schlechte Ehre wir Preußen ein 
legten, wenn so oft Landsleute von diesem Schnitt vor 
einem auswärtigen Seegericht ständen, und was für Ge 
danken Holländer und Engländer wohl von unserm See 
wesen fassen möchten? Das Wenigste wäre, daß fremde 
Handelsleute sich auf alle Weise hüten würden, solchen 
unwissenden und rohen Menschen Schiffe und Ladungen 
anzuvertrauen, und daß darüber die ganze preußische 
Rhederei in Mißkredit und Verachtung gerathen könnte. 
Andrer Orten — setzte ich hinzu — würde kein Steuer 
mann oder Schiffer zugelassen, bevor sie in einem 
Steuermanns-Examen erwiesen hätten, daß sie ihrer Kunst 
und Wissenschaft vollkommen mächtig geworden. Sie 
wüßten auch, daß ich noch immer fortführe, mich in meinen 
Nebenstunden mit dem Unterricht junger Seeleute zu be 
schäftigen; und so läge mir denn, zur Sicherung meiner 
eigenen Ehre, daran, daß sie die Güte hätten, mit nächstem
        

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