Full text: Der alte Nettelbeck

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Bon Memel fuhr ich wieder nach Lissabon mit Bal 
ken, allein im Winter war die Fahrt in der Ostsee sehr 
gefährlich, und wirklich gab es auch schon in den ersten 
Tagen des Dezembers wieder contrairen Wind und Sturm, 
wobei wir rings um uns her mancherlei Schiffstrümmer, 
Masten, Ruder und ein umgekehrtes Boot treiben sahen. 
Abends um 8 Uhr meldete mir der Auskucker, daß 
er nahe vor uns ein Schiff gewahr werde. Ich ließ 
sofort eine Laterne bei mir aushängen. 
Heinrich. Warum? 
Nettelb eck. Dies geschieht immer, damit man 
nicht aneinander segelt. Darum erwartete ich, daß auf 
dem andern Schiffe auch eine Laterne ausgehangen werden 
würde. Es geschah aber nicht; ich aber lief inzwischen 
so dicht an demselben vorüber, daß ich trotz der Dunkelheit 
deutlich erkennen konnte, wie ihm der große Mast fehlte 
und die See schäumend über Bord hinstürzte. 
Im Borübersegeln rief ich cs zu wiederholten Malen 
durch das Sprachrohr mit Holla! Holla! an; erhielt 
jedoch keine Antwort, und mußte daraus schließen, daß 
es von seiner Besatzung verlassen worden. Dies regte 
nun allmälig allerlei wunderliche Gedanken bei mir auf, 
die sich endlich in die Vorstellung auflösten, wie cs wohl 
des Versuchs nicht unwerth sein möchte, das herrenlose 
Wrack mit dem grauenden Morgen wieder aufzusuchen 
und nach Norwegen zu führen, von dessen Küsten wir 
nur einige und zwanzig Meilen entfernt waren. Der 
Wind zur Fahrt dahin wehete günstig, und für die auf 
gewandte Zeit und Mühe schien ein so bedeutender Fund, 
auch ohne Rücksicht auf die etwanige Ladung, uns ge- 
nüglich entschädigen zu können.
        

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