Full text: Der alte Nettelbeck

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Graupen u. s. w. unbrauchbar: denn mit Seewasser ge 
kocht (wie wir es versuchten^, blieben sie so hart, und 
waren zugleich von so bitterm Geschmack, daß sie stets 
wie das heftigste Brechmittel wirkten. Eben so wenig 
konnten wir unser Pökelfleisch ungewassert kochen und 
verzehren, ohne unsern grausamen Durst noch zu steigern; 
und selbst unsern trocknen Zwieback vermochten wir unauf- 
gewekcht nicht durch den ausgedörrten Hals zu würgen. 
In der That aber war es mit der Noth bei uns 
schier auf das Höchste gestiegen, als wir in der Ferne ein 
Segel ansichtig wurden, und um so freudiger darauf los 
steuerten, da wir es bald für ein holländisches erkannten. 
Wir klagten dem Kapitän unser Elend, und baten um 
Abhülfe; erhielten aber den schlechten Trost, daß es ihm 
selbst an frischem Wasser fehle, doch wolle er unserm 
dringendsten Bedürfniß abhelfen; und so schickte er uns 
wirklich ein Faßchen, das vielleicht einen halben Anker 
halten mochte, herüber. 
Mit einer Begierde, die keine Beschreibung zulaßt, 
setzte ich sofort das Gefäß an den Mund; und so wohl 
ward mir dabei, daß ich fortgetrunken haben würde, bis 
ich auf der Stelle den Tod davon gehabt, wenn meine 
Leute, eben so ungeduldig nach dem Genuß dieses Labsals, 
es mir nicht von den durstigen Lippen weggerissen hatten. 
Als nun aber auch einer nach dem andern sich gütlich 
gethan, war das Wasser schier alle geworden. Die Leute, 
welche es uns in ihrer Schaluppe gebracht hatten, und 
Zeugen von diesem Auftritte waren, konnten des Erstau 
nens über unsre ausgedörrten Kehlen und unser Elend 
kein Ende finden. Um so williger erfüllten sie meine Bitte, 
ihren Kapitän in meinem Namen um noch einigen Vor-
	        

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