Full text: Der alte Nettelbeck

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Dieser unselige Rechtshandel bedrohte aber nicht bloß 
mein geringes Vermögen, sondern griff zugleich tief in 
meinen ganzen Lebensgang ein und legte meinem aufstre 
benden Geiste Hemmketten an, die ihm je langer je uner 
träglicher sielen. Nach der Einbuße meines eignen Schiffes 
hätt' ich wenigstens als Schiffer für fremde Rechnung 
fahren und meinen mäßigen Erwerb suchen können; allein 
alle Augenblicke gab es, des Prozesses wegen, in Königsberg 
gerichtliche Termine, wo ich zur Stelle sein und Rede 
und Antwort geben sollte. Gleichwohl wollten Frau und 
Kinder auf eine ehrliche Weise ernährt sein. Was blieb 
mir demnach übrig, als daß ich mich noch einmal unter 
das alte verhaßte Joch bequemte, und als Setzschiffer auf 
v einem Leichte^ oder Küstenfahrzeuge, zwischen Königsberg, 
Pillau und Elbing hin und her tagelöhnerte, um nur 
mein kümmerliches Brot zu verdienen. 
Drei mühselige Jahre blieb mein Schicksal in dieser 
Ungewißheit; und Gott weiß, wie sauer, ja bitter sie mir 
geworden sind! Endlich ging vom preußischen Gesandten 
im Haag ein großes Schreiben an mich ein, mit der Ver 
kündigung, mein Prozeß sei in letzter Instanz glücklich 
gewonnen. — Gottlob! hatt' ich gern aus tiefer erleichter 
ter Brust gerufen, wäre nur nicht unmittelbar die Hiobs 
post damit verbunden gewesen: der Eine meiner Wider 
sacher sei- gestorben, nun sei der Bankerott des Hauses 
ausgebrochen, von den übrigen Gläubigern auf alle Effek 
ten desselben Beschlag gelegt worden und zu Befriedigung 
meiner Anforderung leider! nichts übrig geblieben. 
Heinrich. Was ist ein Bankerott? 
Nettelbeck. Wenn Jemand mehr Geld ausgibt, 
als er einzunehmen hat, macht er Schulden, und wenn 
er diese nicht bezahlen kann, macht er Bankerott. ,
	        

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