Full text: Der Casseler Salon (Jahrgang 1., Nr.1-30)

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litt! 
selben. 
Auf Spichern's hügeligem Feld, 
Da stand der Wackre, ein Gewehr 
Da krachten die Kanonen, 
Mit kühlem Muth handhabend, 
Wie Hagel von dem Himmelszelt 
Die Kugeln sausten um ihn her, 
Sausten die blauen Bohnen, 
Rings blut'ge Furchen grabend. 
Den Anger färbten blutigroth 
Die hiugeriß'nen Glieder, 
Verwundert frug der General: 
Die Kameraden sanken todt 
„He, Freund, was soll das heißen?" 
Rechts, links und vor mir nieder. 
„„O, laßt mich schießen noch einmal, 
Sie halten trefflich sich verschanzt 
Jn's Gras soll Der noch beißen!"" 
Dann gab den sichern Schuß er ab 
Auf den entleg'nen Höhen, 
Jn's feindliche Getümmel, 
Viel Batterieen aufgepflanzt, 
Der einem Feind den Laufpaß gab 
Uns sämmtlich hinzumähen. 
Gen Hölle oder Himmel. 
D'rum mußte sich die Compagnie 
Dem sichern Tode weihen: 
Dann ließ des Sturmes Melodie 
Es war ein Berg, der Feuer spie 
Er aus dem Horn erschallen: 
Auf der Angreifer Reihen. 
Die hat dem General noch nie 
Der General von Francois 
Wie dazumal gefallen. 
Laut jauchzten uns're Krieger auf, 
Ließ d'rauf zum Sturme blasen, 
Es war kein Herz beklommen, 
Wo man verderblich auf uns sah 
Und mit „Hurrah" in raschem Lauf 
Der Feinde Kugeln rasen. 
Ward Spichern's Berg genommen. 
An unsrer Spitze, hoch zu Roß, 
* 
Schwang blitzend er den Degen, 
Doch in das Herz getroffen sank 
Indeß ihm hageldicht umschoß 
T er General vom Rosse — 
Der wilde Kugelregen. 
Der hoch voran den Degen schwang — 
Doch bei der siebten Compagnie *) 
Als Zielpunkt der Geschosse. 
Auch den Hornisten traf der Feind, 
Da fehlte der Trompeter. 
Der so famos geblasen, 
Der General frug nach dem „Wie?" 
Und beide Helden ruh'n vereint 
„„Seht, Exellenz, dort steht er!"" 
Nun unter kühlem Rasen. 
Des 77. Regiments (Hannover). 
R. v. Boxberger. 
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— - 
Ein ungelöstes Räthsel. 
Geschichtliche Episode von Dr. Hans Mühtau. 
(Die Berliner Goldschmiedstochter. — Zopf ab. — Das Giftattentat auf der Maskerade. — Volksstimme. — Drohbriefe. — 
Schwester und Bruder. — Die Bastille des Kurfürsten. — Der Besuch en masque bei den Benedictinerinnen zu Fulda. — 
Der Polizeiagent. — Die Polizei in Prison. - 
Pasquillensündfluth. — Die schwarze Marthe.) 
^Verhältnisse eigenster Natur herrschten an dem Hofe 
dasselbe nach dem Tilsiter Frieden dem französischen 
des vorletzten Kurfürsten von Hessen, Wilhelm II. 
Satrapenstaate, Westphalen, einverleibten, und sogar 
^ Derselbe war schon als Kurprinz mit der Tochter 
seine Hauptstadt Cassel zur neuen Königsstadt erhoben, 
Friedrich Wilhelm II., Königs vo n Preußen, Auguste, 
zog sich der Kurprinz an den Hof seines Königlichen 
verheirathet. 
Schwagers, Friedrich Wilhelm III., nach Berlin zurück, 
Als nach der Schlacht von Jena unter der Regie- 
während sein Vater ein Asyl in Böhmen suchte und 
rung seines Vaters, des sogenannten Knotenkurfürsten, 
fand. 
die Franzosen unter Mortier Hessen occupirten und 
In Berlin lernte der Kurprinz die schöne Tochter 
- K
	        

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