Full text: Ungebundene Uebersetzungen der Gedichte des Q. Horatius Flaccus

56 Horazischer Lieder 
ihre rasende Hofnung treflich vereitelt: und Au- 
gustus hat ihr den vom egyptischen Wein ohne 
dem schon taumelnden Kopf zurecht gesetzet, und 
ihr keine geringe Furcht eingejaget, wie er sie samt 
ihrem, aus Italien fliehenden Antonius mit seinen 
Ruderschiffen verfolgte, so wie ein Habicht hinter 
die schüchterne Tauben her ist, oder wie ein rascher 
Jäger in den beschneyeten Feldern Thessaliens ei 
nem Hasen nachsetzet, damit er das gefährliche 
Ungeheuer in Ketten und Banden schmieden* 
könnte. Indessen wie sie aus eine edelmüthigere 
Art umzukommen trachtete, so scheuete sie sich ohn- 
geachtet sie eine Weibsperson war, weder gegen sich 
ein Schwerdt zu zücken, ** noch war sie darauf 
bedacht, mit einer eilfertigen Flotte nach verbor 
gene Küsten *** sich zu begeben t. Vielmehr ward 
sie, nachdem sie sich einmal entschlossen zu sterben, 
noch frecher, und unterstand sich mit ganz gelasse 
ner vergnügter Mine ihre, in die Asche gelegte Re 
sidenz noch zu besuchen; hatte auch das Herz, die 
giftigsten Schlangen kt anzufassen und sich anzu 
setzen, damit sie das tödlichschwarze Gift davon, 
in die Brust ziehen mögte: Sie gönnete nämlich 
den feindlichen Fregatten die Ehre nicht, daß sie 
als eine Dame von so hohem Stande, nunmehro 
wie eine ihres Reichs beraubete und gefangene 
Sklavin in stolzem Triumphe von ihnen aufge 
führet würde. 
XXXVIII. 
* und sie samt ihrem Schatze Tgyptens, oder sonst ent- 
im Triumph aufführen fernte Lander 
** daran sie doch durch den Pro- f um neueTruppen anzuwerben 
culejus gehindert ward, ff wie Casar nachher geglaubt,
	        
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