Full text: Amtlicher Katalog der Niederschlesischen Gewerbe- und Industrie-Ausstellung Goerlitz 1905

Görlitz, 
die Stadt der Niederschlesischen Gewerbe- und Industrie- 
Ausstellung - 1905, wird mit Recht als eine der schönsten und 
freundlichsten Städte Deutschlands bezeichnet. Die Lage der 
Stadt ist teilweise hügelig, die breiten, trefflich angelegten 
Straßen tragen ein großstädtisches Gepräge, wozu die be 
deutenden, abends glänzend beleuchteten Kaufhäuser nicht 
''venig beitragen, und die weit ausgedehnten Parkanlagen und 
zahlreichen Gärten verschönen das Bild der Stadt, die wegen 
ihrer Lage zwischen Gebirge und Wald ein sehr gesundes 
Klima besitzt. Görlitz ist daher der Sammelpunkt zahlreicher 
Familien, die fern vom lärmenden Treiben der Großstadt wie 
v on der Langeweile der kleinen Städte einen freundlichen, an 
genehmen Aufenthaltsort suchen, wo sie nach ihrem Belieben 
leben können. Hierbei fällt ins Gewicht, daß die Lebenshaltung 
nicht kostspielig ist; genießt doch Görlitz den Ruf einer billigen 
Stadt. Als größte Grundbesitzerin Preußens bezieht die Stadt 
a us ihren Gütern und ihrem 28,000 Hektar umfassenden Forste 
derartige Einnahmen, .daß sie ohne große Anforderungen an 
die Steuerkraft für Wohlfahrtseinrichtungen und Annehmlich 
keiten aller Art zu sorgen vermag. Wir rechnen dazu die Ver 
sorgung mit frischem, klarem Quellwasser, die Kanalisation, 
gutes Pflaster, Reinlichkeit und helle Beleuchtung der Straßen, 
die auf der Höhe der Zeit stehenden Einrichtungen, wie Schlacht- 
dof, Krankenhaus, Fürsorge für Arbeitslose etc., ferner die 
Schönen Parkanlagen und Promenaden. Malerische Bilder bietet 
die Architektonik der Altstadt, kann sich doch z. B. in Bezug 
a uf edel behandelte Fassaden der Frührenaissance keine Stadt 
Deutschlands mit Görlitz messen. Auch die neueren Stadtteile 
zeichnen sich durch geschmackvolle Bauart aus, zahlreiche 
‘^fraßen und Plätze tragen ein modernes, großstädtisches Gc- 
präge, und die starke Baulust bietet eine reiche Auswahl an 
ohnungen. In religiöser Beziehung herrscht Toleranz, An 
hänger der verschiedensten Bekenntnisse leben friedlich neben 
einander. Schulen aller Art wirken in vielseitiger Weise für 
die Zwecke der Erziehung, und für wissenschaftliche Anregung 
sorgen die Oberlausitzer Gesellschaft der Wissenschaft und die 
biahir forschen de Gesellschaft sowie eine Reihe von Vorträgen, 
die allwinterlich gehalten werden. Der Kunstverein, der alle 
JDvei Jahre eine Gemäldeausstellung veranstaltet, wird auch 
den bildenden Künsten gerecht. Mit Vorliebe wird in Görlitz 
die Musik gepflegü, u. a. finden hier die großen schlesischen 
j*frisikfeste statt; der Bau einer prachtvollen Musikhalle stellt 
bevor. Der Verein der Musikfreunde und einige Unternehmer 
Ve rinitteln die Bekanntschaft mit hervorragenden Kräften, und 
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