Full text: Leipziger Königstage

]n den Poliersaal gelangt, schritt der König die lange Front der 
hier aufgestellten Pianos ab, welche die verschiedensten Marken, 
Farben und Ausstattungen repräsentierten. Der König war entzückt 
von dem sich ihm hier bietenden Bild und nahm Gelegenheit, einige 
Modelle genau zu besichtigen, ln dieser Abteilung regen sich zahl 
reiche fleißige Hände, um den Hupfeld-lnstrumenten den äußeren 
Glanz zu verleihen, ehe sie ihren Weg nach allen Teilen der Welt an- 
treten. Hier besichtigte der Monarch mit Interesse eine Ehren 
tafel, auf der die Namen aller Fürstlichkeiten verzeichnet stehen, die 
Instrumente von der Firma Hupfeid bezogen haben. Der König 
bemerkte launig: «Da fehlt mein Name noch!» 
An diese Besichtigung reihte sich der Besuch des ein Stockwerk 
tiefer gelegenen Notenlagers, das Tausende und Abertausende von 
Notenrollen enthält. Sodann betrat der König den Notenfabrikations 
saal, wo er die zahlreichen, zum Teil von der Firma selbst konstru 
ierten Stanzmaschinen im Betriebe sah. Der König verweilte vor 
einer Stanzmaschine neuesten Systems, welche achtzehn Notenrollen 
zugleich stanzt und ein wahres Kabinettstück deutscher Präzisions 
arbeit ist. Der König wurde nunmehr in den noch größeren Noten 
rollen-Prüfungssaal geleitet, in welchem fast ausschließlich weibliche 
Kräfte beschäftigt sind. Die aus dem Maschinensaal kommenden 
Rollen werden hier genau mit dem Original verglichen und erhalten 
die Vortragsbezeichnung, die Etiketten und die Umhüllung und 
werden dann dem Notenlager einverleibt. 
Der König stattete auch der Musikabteilung einen kurzen Besuch 
ab, wo ihm deren Leiter, HerrRiemann, vorgestellt wurde, welcher 
auf einem Aufnahmeflügel ein kurzes Stück spielte, um dem Könige 
den Vorgang einer Künstlerspiel-Aufnahme zu veranschaulichen. Der 
König hörte hier mit großem Interesse von den Künstlerrollen. Diese 
enthalten das Original-Klavierspiel von mehr als hundertunddreißig 
ersten Künstlern der Welt, darunter Reisenauer, Reinecke, Grieg, 
D’Albert und viele andere, welche über die Schwelle des Musik 
zimmers geschritten sind und in ihrem Spiel für die Künstlerrollen, 
um den sinnigen Ausspruch des französischen Altmeisters Plante 
anzuwenden, ihr musikalisches Testament niedergelegt haben. Alle 
die technischen Einrichtungen der Fabrik werden in den Dienst 
des einen Gedankens gestellt, das Spiel der Meister für alle Zeiten
	        

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