Full text: Manuscripta theologica : Die Handschriften in Quarto

4° Ms. theol. 25 
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te Nekrologeintrag des Hersfelder Abtes Arnolfus (t 1032) am 18.12. im Kalendar als terminus ante 
quem, vgl. Hoffmann, s. u. Die Hervorhebung des Festes Wigbertus conf. (13.8.) im Kalendar mit 
dem gleichen Goldgrund wie bei dem Fest von Lambertus ep. weist nicht auf seine Gleichwertigkeit 
mit Lambertus für die Bestimmung der Schriftheimat hin. Der Eintrag des Festes Wigbertus conf. 
steht auf Rasur. Außerdem steht das Fest nur im Kalendar und fehlt in der Liturgie. Das Gebet 109 v 
>PRO RAPTORIBUS LOCI< mit den durch Rubrizierung hervorgehobenen Hersfelder Klosterpa 
tronen Simon und Judas apost. (28.10.) sowie Wigbertus und Lullus conf. ist ein Nachtrag der Zeit 
um 1100 und dürfte sich auf die Belagerung von Hersfeld im Jahr 1086 und die Kriege der folgen 
den Jahre beziehen. 
Seit der Untersuchung von Opfermann, s. u., S. 177, wird angenommen, daß diese Hs. in Seeon für 
das Benediktinerkloster in Hersfeld hergestellt wurde. Wenn die Hs. auch in Seeon hergestellt wor 
den ist und sich bald danach in Hersfeld befand, so ist die Herstellung dieser Hs. für Hersfeld doch 
sehr unwahrscheinlich. Das Kloster Hersfeld hatte eine stark abweichende Liturgie, vgl. 2° Ms. the 
ol. 55 und 58 (beide aus dem 12. Jh.). Gerade 2° Ms. theol. 58, die in Helmarshausen für Hersfeld 
geschrieben worden ist, ist das beste Gegenbeispiel. Modualdus mart., einer der Patrone von Hel 
marshausen, ist im Kalendar und in der Allerheiligenlitanei verzeichnet und durch Buchschmuck 
hervorgehoben, in den Propria de sanctis fehlt er aber. Die Hs. enthält Hersfelder Liturgie. In 4° Ms. 
theol. 25 ist das Verhältnis genau umgedreht. Die Hs. enthält einen Heiligenbestand der Salzburger 
Diözesanliturgie und der Hersfelder Anteil ist vollständig Nachtrag. Auffällig sind ferner die gra 
phische Kennzeichnung des Festes Exaltatio crucis im Kalendar, der Umfang der zu diesem Fest 
gehörigen Gebete im Kollektar (24 v (Inventio crucis), 33 r und 47 v ) und die Ausstattung der Hl.- 
Kreuz-Feste im Hymnar und Sequentiar. Die im Anhang zum Kollektar 47 v -4g r verzeichneten Ge 
bete »de BMV«, »de cruce« und »de Michaele archangelo« weisen auf die Bedeutung einer derarti 
gen Verehrung für Auftraggeber und/oder Schreiber der Hs. hin. Dasselbe gilt auch für die im An 
hang zum Sequentiar 105 v -106 v stehende Benedikt-Sequenz, die die durch den Umfang der 
Benediktverehrung schon hervorgehobene Bedeutung Benedikts für Auftraggeber und/oder Schrei 
ber noch betont. Eine persönliche Verbindung zwischen dem Kloster Hersfeld und Regensburg ist 
durch Otloh von St. Emmeram gegeben, der sich ab 1024 um als Schreiber zu wirken für einen un 
bekannten Zeitraum in Hersfeld aufhielt und vor 1056 und 1062-66 in der Nähe, nämlich im Klo 
ster Fulda, lebte, vgl. DÜMMLER, E.: Über den Mönch Otloh von St. Emmeram. In: Sitzungsberichte 
der Kgl. Preußischen Akademie der Wissenschaften ... Berlin 1895, S. 1071-1102. Die Beziehun 
gen zwischen Seeon und St. Emmeram sind bekannt. Otloh ist im Necrologium Seonense verzeich 
net (MGH Necrol. 2, S. 233: 23.1 L). Im Martyrolog-Necrolog von St. Emmeram ist eine große Zahl 
von Hersfelder Mönchen verzeichnet, vgl. MGH Libri memoriales et necrologia, N.S. 3, S. 183. Ot 
loh hatte dem Kloster Hersfeld zu einem unbekannten Zeitpunkt zwei nicht näher umschriebene Bü 
cher geschenkt, vgl. MBK 4, 1, S. 150. Wohl während der ersten Hälfte des 17. Jhs. von Hersfeld 
nach Kassel abtransportiert. 
Opfermann, B.: Zur Seeoner Malschule des 11. Jahrhunderts <Kassel, Landesbibliothek. 4°, Mss. 
theol. 25>. In: Studien und Mitteilungen zur Geschichte des Benediktiner-Ordens ... 52. 1934. 
S. 172-178; Heinstadt, A.; Der Codex Casselanus 4° Theol. 25. Seine Heimat, sein Schicksal. In: 
Charisteria. Festschrift zum 350jährigen Bestehen des Landgraf-Ludwigs-Gymnasiums. Gießen 
1955, S. 99-123; Hoffmann, Textbd., S. 409.
	        

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