Full text: 60 Jahre Melsunger medizinische Mitteilungen

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Infusionsbehandlung mit PAS 
Aus der Lungenheilstätte Stadtwald-Melsungen, Chefarzt Dr. Thomsen 
Infusionsbehandlung mit PAS 
Dr. U. Bormann 
Im Rahmen der heute allgemein üblichen kombinierten tuberkulostatischen 
Behandlung der Lungentuberkulose, deren Wert neuerdings angezweifelt wird, 
findet die Paraminosalicylsäure (PAS) eine ausgedehnte Verwendung. Im 
Gegensatz zum Isoniacid und den Thiosemicarbazonen ist die therapeutische 
Dosis eine recht hohe, denn zur Erreichung eines tuberkulostatisch wirksamen 
Blut- und entsprechenden Gewebsspiegels werden im Durchschnitt Tagesmen 
gen von 10—14 g benötigt. Es ist daher nicht verwunderlich, wenn in vielen 
Fällen die für einen sehr langen Zeitraum notwendige Zufuhr des Medika 
mentes von den Kranken abgelehnt wird, sei es, daß von vornherein Unver 
träglichkeit besteht oder sich eine solche im Laufe der Zeit einstellt. Nicht 
immer gelingt es, durch Wechsel in der Art der Verabreichung in flüssigei 
oder fester Form die Behandlung weiterführen zu können. 
Daß zudem bei der besonders raschen Eliminierung der PAS durch die 
Nieren intakte Resorptionsverhältnisse von seiten des Magendarmtraktes be 
stehen müssen, um die notwendige Höhe des Blutspiegels zu gewährleisten, 
braucht nicht betont zu werden. Der Vorschlag, durch Blockierung des tubulären 
Nierenanteils die Ausscheidung der PAS zu verzögern, hat keine Verwendung 
größeren Ausmaßes gefunden, da die Blocker selbst sehr oft zu Unverträg 
lichkeitserscheinungen geführt haben, zudem ebenfalls recht hoch dosiert wer 
den müssen. 
Es lag daher nahe, die PAS direkt auf parenteralem Wege dem Organismus 
einzuverleiben, wobei die intravenöse Dauertropfinfusion die Höhe und Kon 
stanz des erforderlichen Blutspiegels am besten garantiert. Die Technik selbst 
ist einfach und erfordert bei Verwendung des entsprechenden Präparates der 
Fa. B. Braun, Melsungen, nur wenige Vorbereitungen, sodaß die Durchführung 
einer Behandlung auch in größerem Umfange ohne besondere Belastung des 
Pflegepersonals möglich ist. 
Bei Einstellung einer Tropfenzahl von 25—35 Tropfen in der Minute, bei 
Verwendung einer Kanüle mittlerer Stärke, haben wir niemals eine Throm 
bophlebitis gesehen, allerdings legen wir auf eine regelmäßige Venenpflege, 
z. B. mit Hirudoidsalbe, größten Wert. Die Dauer der Infusion beträgt durch 
schnittlich 3—4 Stunden, doch haben wir sie auch bis zu 6 Stunden ausgedehnt. 
Die Menge der zugeführten PAS beträgt bei Verwendung der Braun’sehen 
PAS-Lösung 14 g PAS-Natrium, d. h. 10 g der freien Säure, die in 500 ccm 
pyrogenfreiem Aqua bidestillata gelöst sind. Die Lösung ist isotonisch und dem 
zufolge sowohl intravenös als auch intramuskulär oder subcutan zu injizieren. 
Vergleichsreihen mit PAS-Infusionspräparaten anderer Provenienz ergaben 
eine ausgezeichnete Verträglichkeit des Braun sehen Medikamentes. Insbeson 
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