Full text: 60 Jahre Melsunger medizinische Mitteilungen

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Über physiologische Kochsalzlösungen 
und Sterofundin 
über »phyfiologifche Kochfalzlöfungen« und »Sterofundin«. 
Von Dr. F. Hammer. 
In den letzten Jahren greift immer mehr die Erkenntnis um (Ich, 
dafi die bisher gebräuchliche, fogenannte »phyfiologifche Kochfalzlöfung«, 
die bei ffarkem Blutverlufl zur Auffrifchung der Blutmenge benutzt wird, 
nicht fo harmlos ift, wie bisher immer angenommen wurde. Es hat (ich 
gezeigt, dafj diefe 0,9 %ige Kochfalzlöfung auf verfchiedene Organe, 
fpeziell auf Herz und Leber von nachteiligem Einfluß fein kann, ja, es 
wurden fogar direkte Schädigungen an Organen feftgeftellt. Die Urfadie 
diefer nachteiligen Wirkungen ift in der Zufammenfetzung der phyfiolo- 
gifdien Kochfalzlöfungen zu fuchen. Eine Infufionslöfung kann nur dann 
einen gewiffen Erfatz der verlorengegangenen Blutmenge bilden, wenn 
(ie dem Blut hinfichtlich des osmotifchen Druckes, des Gehaltes an anor- 
ganifchen Salzen und der Reaktion möglich fl weitgehend entfpricht. Bei 
einer einfachen Auflöfung von 0,9 g Kochfalz in 100 g Waffer dürfte 
dies wohl nicht der Fall (ein. Wohl wird immer betont, dafi die 0,9 %ige 
Kochfalzlöfung dem Blutferum »ifotonifch« (ei, al(o mit dem Blut in (einem 
osmotifchen Druck überein(limme, aber es konnte feftgeftellt werden, 
dafä der osmotifche Druck an (ich allein nicht ausfchlaggebend für die 
Wirkfamkeit der Löfung ift, fondern dafi eine zur Infufion verwandte 
Löfung auch in ihrer Jonenzufammenfetzung dem Blutferum ähnlich, wenn 
nicht gleich, (ein mufj. Im Blutferum find nun nach Abderhalden, Kramer, 
Tisdall u. a. m. nachfolgende Jonen feftgeftellt worden: Na", K •, Ca”, 
Mg”, CI’, HC0 3 ’, H P0 4 ’ ’ und S0 4 ’ ’, wobei allerdings Na : und CI 
Jonen die Hauptmenge bilden. Es leuchtet aber ein, dafi die übrigen 
Jonen nicht umfonft im Blut enthalten find, fondern dafi auch (ie eine 
Aufgabe zu erfüllen haben. Eine »phy(iologi(che Kochfalzlöfung«, die nun 
nur die Na: und CI '-Jemen enthält, kann alfo von vornherein als nicht 
zweckentfprechend angefehen werden. In einer Infufionslöfung muffen 
alfo neben den Natrium- und Chlor-Jonen mindeftens noch die Kalium- 
und Kalziumionen und, aus einem befonderen Grund, der (päter erklärt 
werden wird, auch HC0 3 ! und HPO t ’ ’-Jonen enthalten fein. 
Der osmotifche Druck des Blutes wird gemeffen durch die Gefrier 
punktserniedrigung mittels des Kryojkopes. Sie beträgt bei normalem 
Blut im Mittel = 0,56° und entfpricht einem osmotifchen Druck von ca. 
7 Atmofphären. Stellt man (ich alfo eine Löfung der vorgenannten Jonen 
im Waffer her, fo ift (ie dem Blut dann ifotonifch, wenn die Löfung eine 
Gefrierpunktserniedrigung von ebenfalls 0,56° aufweift. 
Die Reaktion des Blutplasmas ift (chwach alkalifch. Befiimmt man 
die Reaktion mit Hilfe der Wafferfloffionenkonzentration, fo ergibt (ich für 
das Blut bei 18° eine Wafferfloffionenkonzentration von 0,44'TO' 7 , 
was einem pn von 7.36 entfpricht. Im normalen Blut gibt es nur geringe 
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