Full text: 60 Jahre Melsunger medizinische Mitteilungen

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Resorbierbare Knochennägel 
Aus der chirurg.-orthopäd. Klinik »Eduardus-Haus« der 
Jof.-Gefellfch. in Köln. 
Reforbierbare Knochennägel. 
Von Dr. Wiemers, Leiter der Klinik. 
Zur Vermeidung der Schäden, welche den »Inneren Schienen« 
(Lane, Lambotte ufw.) und den Methoden von Borchhard, Kirfdmer, 
Magnus ufw. anhaftet, welche fämtlich zur Fixation der Knochen Metall 
verwenden, hat der Vortragende feit Jahren Verfuche mit reforbierbaren 
Nägeln gemacht. Zweck der Verfuche war, ein Material ausfindig zu 
machen, das die Funktion eines Nagels hat, ohne Jedoch Fremdkörper- 
fchädigung hervorzurufen. Am geeignetfien hierzu erfchien entkalkter 
Ochfenknochen, der in Nagelform gebracht wurde. Die Flerfiellung iß 
folgende: Frifcher Ochfenknochen wird in kleinfingerdicke Streifen zerfägt, 
entfettet und in verdünnter Salzfäure langfam entkalkt. Nach forg- 
fältiger Entfäuerung werden die Streifen getrocknet. Die Konfiflenz der 
fo gewonnenen entkalkten Knochenfiücke iß die eines zähen Hartholzes, 
Die einzelnen Stücke laffen (ich mittels eines Glaspapierfchleifrades bequem 
in die gewünfchte Form bringen, von 3-4 cm Länge bis zu 7-8 cm 
Länge und einen Durchmeffer von 2-5 mm. Eine Ausfparung eines ver 
dickten Endes (eines Kopfes) kann nach Belieben erfolgen. In diefem 
Zuftand find die Nägel unbegrenzt haltbar und verwendungsbereit. Vor 
der Operation werden fie in Alkohol bzw. Jodtinktur eingelegt. Soll die 
Reforptionsdauer vergrößert werden, fo kann Härtung in Chromfäure 
erfolgen. 
Die phyfikalifchen Eigenfchaften diefer Nägel find für die Zwecke 
der Verwendung günfiig. Sie haben, wie bereits gefagt, eine zäh-elaßifche 
Konfißenz, find abfolut nicht brüchig, fondern biegen (ich höchßens bei 
ßärkßem Druck. Andererfeits befitzen fie auch nicht die Härte eines ge 
wöhnlichen Knochen- oder Elfenbeinnagels, woraus (ich die Notwendigkeit 
ergibt, die Stellen, welche genagelt werden (ollen, vorzubohren. Iff der Nagel 
in das Bohrloch eingetrieben, fo fetzt ziemlich bald eine Quellung des- 
felben ein, welche ein (ehr ftarkes Haften in dem Bohrloch bewirkt. 
Selbfiverfländlich muß das Bohrloch der Nageldicke genau angepaßt fein. 
Im Laufe von etwa 6 Wochen wird der gewöhnliche »Leimnagel«, wie 
ich kurz die entkalkten Knochennägel nennen möchte, reformiert, ein 
Zeitraum, welcher vollkommen genügt, um eine feße Verklebung der 
genagelten Knochenteile zu ermöglichen. In der erflen Zeit nach der 
Nagelung beßtzt der Nagel eine große Zug- und Druckfeßigkeit. Auch 
gegen Abfcherung iß er (ehr widerflandsfähig. 
Technik der Nagelung iß relativ einfach. Mittels eines Pfriems (bei 
fpongiöfen Knochen) oder eines Bohrers (bei kompakten Röhrenknochen) 
1929
	        

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