Full text: 60 Jahre Melsunger medizinische Mitteilungen

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Ein Heißluftball für Injektionskanülen 
drehten Faden und zwar (dion im Beginne der Bearbeitung 
des Fadens - mindeßens alfo in der Katgut-Fabrik anfangen 
und einwandfrei durchgeführt werden muffen. 
Gleichzeitig zeigte er in umfaffenden Arbeiten die Ge 
räte und Apparate und die Mittel und Wege dazu. (Chirurgen- 
Kongreß Berlin 1907; Verfammlung deutfdier Naturforfcher und Ärzte 
zu Dresden 1907.) 
Diefes Vorgehen bedeutet eine Reformation auf dem Gebiete des 
Katgut-Wefens; denn es iß klar, daß die endgültige Keimfreiheit eines 
Katgutfadens nur von der zuverläfßgen Reinheit und deßnitiven Keim 
freiheit der einzelnen Saitlinge abhängig iß, und man kann begreifen, 
welch eine Fülle von Schmutz ßch bei mangelnder Aufmerkfamkeit in 
den Faden hineindrehen läßt, und man begreift auch, wie ein folcher 
Schmutz in dem Innern des Fadens außerordentlich gut gefchützt und 
konferviert wird und auch für eine etwaige Desinfektion nicht er 
reichbar iß. Iß ein folcher Schmutz für eine Violinfaite des Mußkanten 
gleichgültig, fo wird er aber zu der verhängnisvollßen Gefahr beim Ver 
wenden einer folchen Saite im Innern eines Körpers, wofelbß er 
fich auflöß und alle verborgen gewefenen Keime freigibt. Am 
verhängnisvollßen muß natürlich ein folcher Schmutz werden, wenn der 
Faden auch noch in der Tiefe des Körpers feßgenäht wird. 
Ein Heißluftball für Injektionskanülen. 
Schon in unferen Ratfehlägen für den Operationsfaal 
hatten wir (S. 29) ausgeführt, daß zur Verhütung des 
Einroßens der Injektionskanülen eine Gebläfevorrichtung 
zum Trockenblafen der Kanülen erforderlich fei. 
Improvifationen haben meißens keine lange Lebens 
dauer, weil durch das Anfaugen der heißen Luft ein 
gewöhnlicher Gummiball mit Anfatzjpitze fehr bald brüchig 
und unbrauchbar wird. 
Eine außerordentlich nützliche Verbefferung liegt 
deshalb vor in dem neuerdings in den Handel gebrachten 
Heißluftball (f. Abbildung), bei dem ein mit Asbeß und 
Fiber ifolierter Hohlkörper über einer Flamme erwärmt 
wird. Die hindurchgetriebene Luft wird dadurch fo ßark 
erhitzt, daß den durchblafenen Kanülen eine Temperatur 
beigebracht wird, die kaum noch ihr Anfaffen mit den 
Fingern erlaubt. 
In den Gummiball felber tritt heiße Luft überhaupt nicht ein, fodaß 
der Gummi nicht leiden kann. Der Heißluftball iß mit dem Rekord 
konus ausgeßattet. Aufßecken entfprechender Zwißhenßücke macht ihn 
auch für andere Anfätze verwendbar. 
1926
	        

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