Full text: 60 Jahre Melsunger medizinische Mitteilungen

Für die Praxis 
Über den gegenwärtigen Stand der Fabrikation 
chirurgischer Instrumente aus rostfreiem 
Krupp-Stahl 
Für die Praxis. 
über den gegenwärtigen Stand der Fabrikation 
chirurgifcher Inprumente aus r oft freiem Krupp-Stahl. 
Als auf dem Chirurgen-Kongreß 1920 Oflermann bekannt gab, 
daf) ein während des Krieges in den Krupp’fchen Werken in Effen er 
fundener vollkommen roftfreier Stahl auch zur Fabrikation chirurgifcher 
Inprumente Verwendung finden würde, daß aber infolge der durch 
fpartakifiifchen Terror bedingten Streiks in Effen die Arbeiten noch nicht 
bis zur Möglichkeit der Veröffentlichung gediehen feien, hob fchon der 
Vorfitzende des Kongreffes (Bier) hervor, daf) es (ich offenbar um eine 
Erfindung von fehr weittragender Bedeutung für die Chirurgie handele. 
Im nächpen fahre (1921) konnte dann Opermann in feinem Vortrag 
auf dem Kongreß die mit allgemeinem Intereffe aufgenommenen näheren 
Mitteilungen über die Erfindung machen. Die erfien Verfuche über das 
Roftproblem waren im Jahre 1909 in der Krupp'fdien chemifch-phyfika- 
liphen Verfuchsanpalt unternommen und im Jahre 1912 zum Abfchluß 
gebracht. Sie hatten ergeben, daf) ein Stahl mit einem Chrom-Gehalte 
von 20% eine außerordentliche Widerpandskraft gegen jede Art von 
Korrofion zeigte. Während des Krieges wurden große Mengen diefes 
Stahles für die Salpeterfäurefabrikation bei der Sprengfioffherftellung fowie 
für Teile von Meßinprumenten auf Deck der Unterfeeboote verwendet; 
weder von der Salpeterfäure noch vom Seewaffer wurde der nichtropende 
Stahl irgendwie angegriffen. 
Mit der Umpellung der Krupp’fchen Werke nach dem Kriege wurde 
die Fabrikation des ropfreien Stahles und feine Verwendung weiter aus 
gebaut. Von der Stahllegierung, die etwa 20% Chrom und etwa 7-8% 
Nickel, daneben aber auch Mangan, Molybdän, Wolfram enthält, wurden 
zwei verfchiedene Marken hergepellt, deren eine pch befonders für 
mechanifch hoch beanfpruchte Teile eignet, während die andere, als V2A 
bezeichnet, befonders widerPandsfähig gegen chemifche Einßüffe ip und 
eine hohe Verphleißfepigkeit zeigt. Beide Legierungen und deren 
Wärmebehandlungsverfahren wurden durch Reidispatente gefchützt. Ein 
polierter Stab aus V2A-StahI, der ein Jahr lang zur Hälfte in Leitungs- 
waffer peckte, zur Hälfte der atmofphärifchen Luft ausgefetzt war, blieb 
vollkommen blank. 
Um aus diefem Stahl chirurgifche Inprumente herpellen zu können, 
mußten feiner außerordentlich fchwierigen Bearbeitung wegen erp ent- 
(prechende Werkzeuge angefertigt werden. Außerdem iß die Befchaffung 
von Chromerz aus Uberfee für Deutfchland jetzt ungemein [chwierig 
geworden. Durch diefe Umpände wurde die Fabrikation chirurgifcher 
Inprumente aus ropfreiem V2A-Stahl verzögert und ihr hoher Preis bedingt.
	        

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