Full text: Unser ist der Sieg (Nr. 35, Mai/Juni 1943)

Aus Feldpostbriefen 
Man fühlt sich in einer großen Gemeinschaft 
Erst heute erlaubt es mir meine Verwundung, Ihnen für ^ 
das nette Päckchen zu danken. Groß war die Freude über die 
Zigaretten und die „scharfen Sachen". Ein erhebendes Gefühl 
ist es für uns verwundete Soldaten, wenn die Heimat in so 
lieber Weise an ihre Soldaten denkt. Auch danke ich für die 
Zusendung von „Unser ist der Sieg". Man fühlt sich in einer 
großen Gemeinschaft. — Gemeinschaft gibt Kraft. Wehe dem, 
der allein steht, lautet ein alter römischer Leitspruch. Jeder 
Mensch und jedes Volk kann es immer wieder erleben, wie 
schwach Isolierung und wie st a r k Gemeinschaft macht. Wo 
eine feste, natürliche Gemeinschaft steht, da sind die Menschen 
unbesiegbar. — In diesem Sinne grüßt Sie mit „Sieg Herb!" 
Wachtmeister W. K. 
Mir ist um den Endsieg nicht bange. 
Durch Vermittlung meiner Schwägerin erhalte ich seit Mo 
naten schon die tzeimatbriefe „Unser ist der Sieg". Leider fand 
ich bislang noch keine Gelegenheit Ihnen für die Zusendungen 
meinen Dank auszusprechen. Gerade in den letzten Monaten bin 
ich viel unterwegs gewesen. Im August 42 würde ich nach einem 
vorübergehenden Aufenthalt beim Ersatztruppenteil wieder an 
die Kanalküste beordert: dort war ich gerade 10 Wochen, als 
ich Befehl bekam mich bei einer Luftflotte in O. zu melden. Von 
D. kam ich nach Nordfinnland, dort erreichte mich die Dezember 
nummer der Heimatbriefe. Beim flackernden Kerzenlicht habe 
ich Seite für Seite gelesen und mich gefreut. Ich war ja lange 
Jahre im Kreis Melsungen, und ich kenne nicht nur Span- 
g e n b e r g, den Ort meiner einstigen Wirksamkeit, sondern den 
ganzen Kreis, insbesondere die alten Nationalsozialisten. Mit 
vielen von ihnen verbindet mich irgend ein Erlebnis älteren oder 
neueren Datums, und wenn ich die Berichte der Ortsgruppen 
lese, oder die Bilder der gefallenen Helden betrachte, dann fühle 
und empfinde ich wie stark ich im Kreis Melsungen verwurzelt 
bin. Kameraden, ich fühle mich nach wie vor zu Euch gehörig: 
dieses Gefühl macht mich glücklich und stolz zugleich. Ich gebe 
mich der angenehmen .Hoffnung hin, daß sich mancher von Euch 
auch an mich erinnert. 
Hier bei uns geht alles in Ordnung: weder Schnee, noch 
Eis oder Kälte hindern uns im Kl mpf gegen Sowjetrußland. 
Gegen die Kälte find wir durch die Sonderbekleädung bestens 
geschützt, und gegen die Sowjets schützt uns unsere Wachsam 
keit. Wie gesagt, es fehlt an nichts, insbesondere nicht an 
Waffen und Munition, obgleich der Nachschub nicht ganz einfach 
ist. Ganz besonders auf Draht sind unsere fliegenden Besatzun 
gen, Hafen' und Stadt Murmansk und die Murmanskbahn 
stehen unter ihrer ständigen Kontrolle. Hoffentlich schicken die 
Engländer noch manches Geleit für die Sowjets herüber, an 
einem warmen Empfang wird es nicht fehlen: unsere Zerstörer 
machen jeweils ganze Arbeit. Mir ist es um den Endsieg nicht 
bange: ich habe den Weltkrieg 1914—1918 miterlebt und ich 
stehe diesmal seit Kriegsbeginn an der Front.. 
Jeder Soldat weiß worauf es ankommt, tut feine 
Pflicht, und er hat eine Gewißheit, nämlich die, daß für seine 
Angehörigen zu Hause gesorgt wird. Er weiß, daß sich die 
Partei bemüht und mit Rat und Tat helfend der Familie zur 
Seite steht. Dieser Glaube ist mir wiederholt in Gesprächen 
mit unseren Landsern entgegengetreten. Von der Partei und 
ihren Gliederungen fließt ein nicht zu unterschätzender Kräfte- 
ström heraus an die Front: für mich ist es u. a. auch die 
Heimatschrift der Kteisleitung Melsungen. Herzlichen Dank da 
rum für die Uebersendung des Heimatbrieses: bitte nehmen Sie 
meine Anschrift in die Liste derer auf, die in den Genuß des 
Briefes zu kommen wünschen. Hauptmann G. G. 
IHllljIM©® MPSS Amu SiDM 
Die unerwartete Antwort 
Soldatische Anekdoten. 
General von Bredow. der es liebte, unvermutet bei.seinen 
Truppen aufzutauchen und zu inspizieren, stieß eines Tages in 
einer Battenestellung auf einen mit Signalhorn ausgerüsteten 
Wachtposten. Was sind Sie denn, mein Sohn? fragte er. 
Beobachtungsposten, Herr General. 
Gegen was wollen Sie denn beobachten? 
Gegen Flieger und Vorgesetzte, lautete die in strammer 
Haltung gegebene Antwort. 
* 
Eine ähnliche Antwort bekam der Generalquartiermeister 
von Stein einmal, als er bei einer Besichtigung einen Rekruten 
fragte, aus wieviel Teilen fein Gewehr bestehe. 
Da dicser ihm darauf die Antwort schuldig blieb, versuchte er 
ihm die Zunge zu lösen, indem er zu ihm sagte: Also nun be 
wahren Sie mal vollkommen Ihre Ruhe. Und sagen Sie mir: 
Was würden Sie antworten, wenn Ihr Nebenmann die gleiche 
Frage an Sie stellte? 
Da huschte ein Grinsen über die Züge des Rekruten und 
ohne Zögern antwortete er: Halt die Fresse, du Rindvieh, 
was geht dich meine Latte an? 
* 
Zu den Gewohnheiten des Generalquariiermeisters von Slein 
gehörte es auch, sich bei jeder Gelegenheit von der Güte des 
Essens, das für die Mannschaften gekocht wurde, zu über 
zeugen. Eines Tages traf er zwei Soldaten, die eben dabei 
waren, einen dampfenden Kessel aus der Küche zu tragen. 
Halt, Löffel holen, rief der General die beiden an. 
Einer der beiden Soldaten wollte Einwände machen, aber der 
General duldete keinen Widerspruch. So wurde ein Löffel geholt 
und der General nahm eine Kostprobe, die er jedoch sogleich 
wieder ausspuckte. 
Pfui, Teufel, sagte er dann. Das Zeug schmeckt ja wie 
Spülwasser. Was soll das denn sein? 
Spülwasser, Herr General! 
Ein Garten 
nördlich des Polarkreises 
nach Belseförther Vorbild 
Uffz. Otto Wieget aus Beiseförth liegt 
seit über drei Jahren in Norwegen und 
hat dort einen Garten nach heisischer Art 
eingerichtet. Nachdem das Heidekraut. 
Torf und Moor umgepflügt waren, wurde 
der Boden kultiviert und das Grundstück 
mit einem Zaun aus Birkenholz umgeben. 
Die nötigen Gartenmöbel sind in den 
langen Winterabenden gearbeitet morden. 
Der Same aus Deutschland hatte gute 
Frucht gebracht. Bereits im vorigen 
Jahr konnten über 5000 Portioneir Salat 
geerntet werden. Auch die heimischen 
Blumen gedeihen dort oben recht gut. 
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