Volltext: Europäischer Frieden

13 
und es vor der Handelstyrannci und maritimen Allmacht Eng 
lands geschützt und gleichzeitig die zentrifugalen Nationalitäten 
des österreichischen Kaiserstaates mit den deutschen Interessen 
in lebendige Einheit gebracht haben würde. Leider ist auch 
diese zweite Gelegenheit zu einer großdeutschen Einigung vor- 
übergegangcn. Der entscheidende Wendepunkt trat im Spätherbst 
1850 ein, aber der Augenblick ging unbenützt vorüber, indem 
Fürst Schwarzenberg, sei es aus Schwachheit, wie seine Gegner 
sagen, oder aus Rücksicht auf Rußland, in letzter Minute sich 
entschloß, in Olmütz den Weg der Unterhandlungen zu betreten, 
statt es dem Feldmarschall Radetzky zu überlassen, mit Waffen 
gewalt einen etwaigen Widerspruch in Berlin zu brechen. Als 
Fürst Schwarzenberg ein Jahr später plötzlich starb, wurden 
seine kühnen Entwürfe mit ihm zu Grabe getragen, und die im 
Herbst 1850 versäumte Gelegenheit kehrte nun nicht wieder, 
denn in dem Augenblick, wo Schwarzenberg von der Bühne 
abtrat, betrat sie ein preußischer Staatsmann ersten Ranges. 
Aber ehe er ans Ruder kam, häuften sich Fehler auf Fehler 
in der deutschen Politik. 
Als der Krimkrieg ausbrach, gab es für die deutsche, öster 
reichische und preußische Politik nur ein Mittel, den Uebermut 
des russischen Zaren zu dämpfen. Ganz Europa hätte damals 
den russischen Truppen, die den Pruth überschreiten sollten, 
Halt gebieten und den drohenden europäischen Krieg im Keime 
ersticken müssen. Damals hatte das deutsche Volk, wenn Preußen 
und Oesterreich mit den Mittel- und Kleinstaaten zusammen 
gehandelt hätten, alle politischen Trümpfe in der Hand und 
wäre imstande gewesen, die Zügel der europäischen Politik an 
sich zu reißen und hätte dann leicht eine große mitteleuropäische 
Macht hersteilen können. 
Wie Lady Bloomfield in ihren Erinnerungen berichtet, wurde 
Preußen damals „durch eine kleine, aber sehr einflußreiche 
Kamarilla regiert, das Land hatte keine Stimme, jeder Ausdruck 
von öffentlicher Meinung wurde sofort unterdrückt und verurteilt 
als unloyal und revolutionär und während einer Reise durch 
seine Provinzen verweigerte der König tatsächlich, eine Stadt
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.