Full text: Journal des Kurfuerstlich Hessischen Hoftheaters zu Cassel (1815/1816; 1818)

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Das schauervolle Wirklich zu vergessen, 
Entflieht der Mensch zum selbstgeschaffnen Reich 
Der Kunst. Hier bildet er sich eigne Menschen, 
Ein eigenes Geschick, und theilt der Freude Kronen, 
Den Sieg, das Glück, dem Urbild reiner Tugend 
Gefällig zu, und freut sich der Gewalt, 
Die er dem Schicksal abzuringen glaubt. 
Hier ist der Seegensborn der höhern Wonne, 
Der reinsten Seligkeit im Erdenleben — 
Der Freudenthräne! Hier ist noch der Ort, 
Der Einz'ge, wo das Herz bey fremden Leiden 
Hochschlagend seinen eignen Schmerz vergißt. 
Und so den Funken schöner Menschlichkeit 
Im halb erstarrten Busen wach erhält. — 
Hier darf er ungestraft uoch fremde Thorheit 
Belachen — und sich selbst. 
Doch allzuschnell vertilgt das rohe Leben 
Den flücht'gen Eindruck dieser Augenblicke; 
Und wie der Schatten von der Bühne, schwindet 
Hin das Empfundene auch aus der Seele. 
Die wen'gen schwachen Bilder ins Gedächtniß 
Zurückzurufen, weih ich diese Blätter 
Der Rückerinnerung. Noch einmal mögen 
Die Ideale der Schattenwelt 
Am kunstgeübten Aug' vorüberschweben. 
Ich zieh den Vorhang auf, und wünsche schweigend, 
Daß dieses Opfer einer guten Meinung 
Mit gutem Willen aufgenommen werde.
	        

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