Full text: Über Schule, Universität, Academie

36 
Jacob Gbimm 
treten könnte. Weit schöner und edler scheint es einen lohn zu empfangen, 
um den man nicht geworben, als um den man geworben hat. Triftige und 
geistvolle forschungen treten schon, ohne dafs es nöthig wäre, sie hervor zu 
locken, von selbst ans licht und die academie kann nicht umhin ihrer bald 
zu gewahren, erkenne sie von zeit zu zeit, ohne durch bestimmte fristen 
dabei sich zwang anzulegen, in besonnener, gerechter Würdigung des sich 
kund gebenden Verdienstes, munera, nicht mehr pretia, ehrende Zeichen 
ihres anerkenntnisses, die wie ein leuchtender strahl auf das haupt des aus 
gezeichneten sich niedersenken, und auch ihr eignes ansehn wird durch sol 
che aussprüche vor der gelehrten weit und dem volke dauernd steigen, wäh 
rend die erinnerung zuerkannter preise schnell vergeht. 
Es bleibt mir übrig die wichtigste, ich gestehe auch schwierigste ange- 
legenheit der academie, ohne rückhalt, zur spräche zu bringen, die der 
erneuerung und ergänzung ihrer abgänge, worauf nicht allein ihre ganze Zu 
kunft, sondern eben auch ein erhöhter und fortschreitender wachsthum 
beruhen mufs. ist es unleugbar, dafs die academien im stand ihrer gegen 
wärtigen entfaltung noch nicht wirksam genug sind, gleichwol alle keime 
einer zweiten oder dritten Wiedergeburt in sich tragen, um desto offenbarer 
ihre gebührende und heilsame stelle an der spitze der Wissenschaft einzu 
nehmen ; so fällt in die äugen, dieser gröfsere zweck müsse und könne we 
niger durch ihre zum beispiel und zur bürgschaft gereichende thätigkeit, als 
durch die freie und ungehemmte wähl neu zutretender mitglieder erreicht 
werden. An den höheren schulen und Universitäten sahen wir die beste und 
tauglichste ergänzung durch den Staat selbst geschehen, der leicht ein sicheres 
augenmerk für die ersatzmänner gewinnt und selbst auf erfolgende anmel- 
dungen einzugehn sich bewogen finden wird, die gesamte Stellung der aca 
demie hingegen gründet sich wesentlich und unerläfslich auf gesellschaftliche 
wähl, die wenn sie im weiten kreise umschauen kann, fast nicht irre geht, 
diese wähl ist ein aus schwankender meinungsverschiedenheit zur einstim- 
mung der mehrheit durchgedrungnes erbieten, das den gewählten gleich einer 
angethanen ehre überraschen, gleich einem unerwarteten grufs erfreuen mufs. 
Anträge und meldungen von seiten des candidaten, wie sie zu Paris statt 
finden oder in Ostreich für einige Ordensverleihungen, scheinen unangemes 
sen: sie heben die wolthat ganz freier ernennungen auf, hinterlassen dem 
durchgefallnen verdrufs oder können auf die Unparteilichkeit der handlung
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.