Full text: Über Schule, Universität, Academie

über schule Universität academie. 
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zum amt mag die ernsteste prüfung den ausschlag thun, der duranfallende 
aber desto leichter eine andre lebensart ergreifen, als er sich den des dien- 
stes überhaupt nicht begehrenden anreihen kann. Mit der einen prüfung 
sollte es jedoch sein bewenden haben, und nicht, wie zu priestergraden, 
eine zweite und dritte, immer unöffentlich unter vier wänden erfolgende 
nach verlangt werden, die nur erhitzte Vorbereitungen und treibhausfrüchte 
zu erzeugen pflegt, welche unreif abfallen, nachdem das examen bestan 
den ist, also der innern echten triebkraft unvermerkten abbruch thun. 
Unschädlicher allein fast zwecklos sind die im lauf der Studienzeit 
geforderten Zeugnisse über besuch der Vorlesungen; verderblich alle ertheil- 
ten Vorschriften über den besuch unumgänglicher Vorlesungen, wodurch die 
andern zu gleichgültigen oder unnöthigen herabgesetzt werden, denn nichts 
wissenschaftliches ist an seiner rechten stelle ohne innere nothwendigkeit, 
und die auswahl mufs den studierenden, oder dem beispiel und einer sich 
von selbst einfindenden, nicht zu greifenden aber zu fühlenden autorität der 
lehrer in bezug auf die güte ihrer vorträge ruhig überlassen bleiben. Der 
mensch hat auch ein recht darauf mit unter faul zu sein oder zu scheinen, 
und sich, wie er will, gehn zu lassen, oder über die wähl eines lehrers oder 
seine eigne neigung gänzlich zu teuschen. das alles ist seine Sache, nicht die 
anderer, und soll ihm nicht nachgetragen werden. 
Der professor mag beim bestimmen seiner Vorlesungen an eine abrede 
mit seinen genossen, oder einen hergebrachten Wechsel gebunden sein; ihr 
inneres wird er frei und unabhängig nach seinem gutdünken gestalten. 
Was wollen hier alle engherzigen gesetze? sie meinen das schlechte 
auszuscheiden, begünstigen eigentlich nur das mittelgut und sperren dem 
höheren oft ohne noth und ärgerlich den weg. das genie sprudelt wie ein 
brünnlein an verborgner steile und seine niedergänge und steige weifs doch 
niemand. 
Zum wesen der Universitäten gehört, dafs auf ihnen alle Wissenschaf 
ten zulässig seien, (*) was durch die vier facultäten freilich nur unvoll 
ständig bezeichnet werden kann, offenbar ist solches nebeneinanderwirken 
der Wissenschaften ungemein belebend und für professoren wie Studenten 
höchst fördersam; unerwartete berührungen brechen daraus von allen seiten 
(>) Dat mene Studium. Detmar 2, 506 
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