Full text: Über den Personenwechsel in der Rede

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Leicht gewahrt man, dasz alle unausgebildeten, der gemeinen Volkssprache 
anhängenden Schriftsteller die zweite person, gelehrtere, vornehmere in den 
selbstanreden die erste vorziehen. so z. b. in der ganz gemeinen und schlech- 
ten prosa des hürnen Siegfried von 1729, ältere drucke kann ich nicht ver 
gleichen, liest man: er gedachte, nun ist es zeit, dasz du deinem feinde 
vollends den rest gibst. F 3 a ; er gedachte, weichst du da weiter. F 4 a ; r ^> n 
sprach in sich selber, gehest du. F 4 b ; gedenket bei sich selber, mustu. 
F 6 a , und so fast allenthalben, nicht anders im einfachen vortrag mancher ; 
kindermärchen, z. b. 1, 45: dachte der bauer, heute abend hast du dein ^ 
geld in der tasche. von den häufigeren beispielen nachfolgender erster 20 .ßtoL■ft.'J, 0. IAY. 
person sind oben einige ausgehoben. ^ ^ ^ 
Vorzugsweise ist bei der ganzen vorausgehenden darstellung des unter- o^U A4 
schieds zwischen erster und zweiter person auf den epischen Stil rücksicht 
genommen worden, es bleibt übrig seinen eigentlichen sitz im drama zu 
gewahren und von diesem Standpunkte aus ihn erst vollständig in das licht 
zu setzen. 
In der erzählung walten und schweben an uns, wie ich ausführte, 
nur dritte persojien vorüber, so oft sie uns auch an der hand des erzäh 
lenden näher geführt werden, im drama steht die handlung selbst vor un- 
sern äugen, und wenn es schon einzelne bewegende stücke der Vorgänge, 
vielmehr des bereits vorgegangnen durch boten und vertraute anbringen und 
berichten läszt; so hängt doch die sich drastisch entfaltende hauptthat un 
mittelbar in der wechselnden rede erster und zweiter personen. das ge 
schehende, wie sichtbar es auch in gebärden und leiblichem vortritt erscheine, 
musz zwischen zweien, dreien und mehrern gesprochen werden. 
Da nun aber die eine oder andere der aufgetretenen, im gespräche 
befangenen personen oftmals was sie auszurichten hat erledigt, ihren faden 
abspinnt und von der bühne wieder tritt, dann aber nur eine einzige übrig 
gelassen bleibt; so würde dadurch, dasz sie allein und schweigend auf den 
bretern verharrte, alle darstellung unterbrochen und beendigt scheinen, es 
ist also um den raum auszufüllen, bis eine neue person hinzutritt und den 
dialog wieder aufnimmt, nothwendig, dasz die verweilende einen monolog 
verlauten lasse, und dieser monolog ist der gipfel dramatischer kunst. 
Ich glaube, die anfänge oder Ursprünge des drama unter dem volk 
waren dialogisch und das spiel hob alsbald mit dem lebendigen auftritt zweier 
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