Full text: Über Frauennamen aus Blumen

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Für namen, die sie ihren angehörigen und bekannten beilegten, such- 
ten die menschen von jeher in der sie umgebenden natur nach gestalt und 
gleichnis, wobei sie sogar wirkliche kraft und einflufs der gewählten gegen 
stände auf das leben selbst, wenigstens eine günstige Weissagung voraus zu 
setzen geneigt waren, das neugeborne, nach einem thier oder nach einer 
blume benannte kind empfieng dadurch gleichsam einen geleitenden Schutz 
engel, dessen tugend ihm zu theil werden oder in wichtigen augenblicken hel 
fen konnte. Wenn nun im allgemeinen thiere, zumal mutige und tapfere 
für männlichenamenangemessenschienen, mustenblumen, ausdenen duft und 
lichte färbe hervor giengen, zu treffender bezeichnung der frauenschönheit 
gereichen, das gesetz findet freilich seine ausnahmen im einzelnen, da auch 
zierliche und geliebte thiere, wie das reh, die taube und nachtigall sich für 
frauennamen, dagegen im pflanzenreich alle grofsen und kräftigen Stämme, wie 
eiche, erle, apfelbaum, dorn für männernamen eigneten, und einige der 
letztem früher auch dem grammatischen geschlecht nach männlich waren, 
z. b. asch, altn. askr. Die meisten und schönsten frauennamen aber müssen 
von blumen und kräutern entnommen sein, welche stufen und gipfiel weib 
licher anmut am passendsten auszudrücken vermochten. 
Für den Ursprung solcher aus der natur selbst erborgten, den thieren 
oder pflanzen abgesehenen menschennamen läfst sich nicht übersehen, dafs 
zu ihrer (wie der sternnamen) ersten findung vorzugsweise eine nothwendige 
stufe menschlicher entwickelung, das hirtenleben geschickt war. die hirten 
verkehrten in voller mufse unmittelbar und überall mit der freien natur und 
hatten das offenste äuge für sie, wie wir es den auf sie folgenden ackerbauern 
zwar nicht absprechen , lange nicht in gleicher mafse Zutrauen dürfen, im 
wald und auf wiesen lernt der weidende hirt alle eigenschaften und kräfte 
der kräuter kennen, dem geschäftigeren ackermann ist mehr an Vervielfachung 
seiner zahmen früchte und thiere gelegen, auch wald und wiesengründe 
möchte er nach einander reuten und urbar machen, um allen grund und 
boden seiner pflugschar zu unterwerfen; nur zu seinen festen bedarf er noch 
der blumen, dem heimgeführten getraide oder den Schnitterinnen kränze 
daraus zu winden. Dafs das ackerbauende leben unergibig war für die namen- 
gebung, schliefst sich eben aus der fast gänzlichen abwesenheit aller frauen 
namen, die von feldfrüchten hergenommen w r ären, nur nach ihren blumen
	        

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