Full text: Über das Verbrennen der Leichen

Z\ 
Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 203 
über das verbrennen der leichen. 
35 nz 
jahr später gieng sein sohn Chlodovech über zum christenthum) und im kö 
nigssitze Tornacum bestattet wurde. Diese merkwürdigen alterthümer, er 
neuter betrachtung werth und bedürftig, lassen gleichwol nicht bestimmt 
auf einen dem bestatten vorausgegangnen leichenbrand schliefsen, obschon 
jenes jünglings vom rümpf gelöster schädel, als eines mit verbrannten, viel 
leicht dahin weist. 
Das salische noch zur zeit des heidenthums abgefafste volksrecht 
konnte fast nur da, wo aus missethaten anlafs zur composition entsprang, 
also wo von beraubung der grabhügel die rede ist, gelegenheit haben des 
leichenbrands zu denken, in der that liefert titel 55 de corporibus exspo- 
liatis 7,war nir»ht diirrh die fassuru? des textes selbst, wol aber durch die bei- oX^ 
liatis zwar nicht durch die fassung des textes selbst, wol aber durch die bei 
gefügten malbergischen glossen, wenn ihnen die rechte auslegung abgewonnen ■ 
wird, unverkennbare beweise. S'v 
Es sind hier zwei fälle unterschieden, der erste, si quis corpus occisi 
hominis antequam in terra mittatur, exspoliaverit, worauf blofs 2500 denare 
stehn, und si quis corpus jam sepultum effodierit et exspoliaverit, wofür 
8000 denare zu entrichten sind, aufserdem dafs der thäter zugleich aus dem 
lande verbannt wird und von niemand aufgenommen und beherbergt werden 
darf, bis er sich mit den verwandten des todten ausgesöhnt habe, es scheint 
jedoch nur von bestattung des leichnams und ausgraben des bestatteten die 
rede, ein vorgängiges verbrennen durch den ausdruck corpus, der für asche 
und gebein nicht recht taugt, fast ausgeschlossen. 
Indessen findet sich zu dieser Verletzung des grabs und ausgrabung 
der leiche die merkwürdige glosse thornechale, thurnichale LV, 3; turnicale, 
tornechallis sive odocarina (*), thurnichalt (1. thurnichall oder chali) 3, 4; 
thornechales, turnichalis 143, 1. in thurni, thorne liegt ganz deutlich das 
goth. Jiaurnus, ahd. dorn vor äugen, dessen bezug auf den leichenbrand 
schon soviel andere benennungen rechtfertigen, in chale chali chalis challis 
erblicke ich das im text selbst tit. XLI und 227 erscheinende, durch die 
Zusammenstellung mit ramis erläuterte callis hallis allis. challus oder challa 
vergleicht sich dem ahd. hala siliqua, wintarhalla labrusca (Graff 4,851. 859); 
winterhehlen heifsen nachNemnich noch in Ostreich herlinge; thurnichallus 
( ! ) Odocarina berichtige ich in chreotargina cadaveris sepimentum. lex sah ed. Merkel 
s. LIII.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.