Full text: Über Marcellus Burdigalensis

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essisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Dr 200 
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c der den speer im stich läfst 3 , wie der nordische Freyr sein schwert hingab, 
also ein mythischer beiname des gottes sein? so will ich einmal rathen, und 
wäre daraufzu lesen 'molt peträtun terram calcabant? oder'molt 5 stellio, papi- 
lio (Graff 2, 719) ‘tritto 3 tertius? 'petritto 5 , das ags. bedrida clinicus? wie dem 
sei, so gut die jüngere formel sagte: Tumbo saz in berge, konnte die ältere 
haben: Wuotan saz in berge (wie jenes Christus in petra sedebat), folglich das 
Stupidus in monte ibat im vierten jh. irgend einen heidnischen gott ersetzen. 
In den drei jungfrauen, deren marmortisch mitten im meer steht, 
deren zwei (den faden) drehen, die dritte zurückdreht (no. 52), sind alte 
Schicksals göttinnen zu erkennen, die im deutschen spruch idisi, später puel- 
lae (mythol. s. 1196) oder Marien heifsen. statt dafs sie ihren tisch oder 
thron auf berge und wiesen setzen, ist er hier absichtlich ins meer gestellt. 
Spruch 75 beginnt mit den Worten: stolpus a coelo decidit, wofür 
Casaubonus zuPersius sat.diesen will stlopus, sonus quem buccae inflatae 
edunt. ich ändre nichts und lasse dem ausdruck die bedeutung des litth. 
stulpas, sl. stlp 55 columna, russ. stolb 5 , serb. stup, walach. stülp, altn. 
stolpi, dän. stolpe. dem poln. slup, böhm. slaup, ungr. oszlop ist das T 
nach dem S entfallen, wie auch das goth. sauls, ahd. sül, altn. süla für 
stauls, stül, stüla stehn, die dem gr. G’rvXog und (T7Y\Ky\ entsprechen (*), vgl. 
ahd. stollo basis. vielleicht wird ags. stypel turris, engl, steeple dasselbe 
wort sein, im estnischen tulp ist umgekehrt das S aufgegeben, die Finnen 
gebrauchen ein unverwandtes patsas. 
Hat nun stolpus columna seine richtigkeit, so erlangt für die gewöhn 
lich erst mit dem sechsten jh. angehobne geschichte der slavischen spräche 
werth, dafs hier schon zur zeit des vierten in lateinischen Zauberformeln ein 
slavischer oder litthauischer ausdruck begegnet, nach meiner ansicht unter 
liegt es kaum dem zweifei, dafs bereits in den ersten jhh. und sogar vorher 
Slaven als Sarmaten den Griechen und Römern benachbart wohnten, und 
gleiches mufs von den Vorfahren der Litthauer gelten. 
Im spruch 41 klingen einige Wörter: nabuliet onodieni iden beinahe 
slavisch, was aber, da ich die übrigen nicht damit zu vereinen weifs, spiel des 
Zufalls sein mag. wie fehlerhaft die abschriften dieser stellen sein müssen 
zeigt der folgende spruch, in welchem ich nichts verstehe, doch erkenne, dafs 
( f ) vgl. das welsche seren mit unserm Stern.
	        

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