Full text: Brief von Adolf Friedrich Hesse an Louis Spohr

Dahingegen hatten wir am vorigen Donnerstage
einen schönen, ungetrübten Genuß. Wir gaben in unserem
Abonnementskonzerte der Theaterkapelle Ihre Weihe der
Töne, die prächtig ging. Da wir sie jeden Winter aufführen,
so brauchte ich nur eine kurze Probe zu halten, sie war
jedem noch gegenwärtig. Sie ging sehr rein, mit
feinster Schattierung und entzückte, wie immer, das
Publikum. Es ist aber auch ein Prachtwerk; schöne
Melodien, Frische der Erfindung, geistreiche Kombinationen
und überall Wohlklang, trotz großer kontrapunktischer
Kunst; ich schwelge noch im Nachgenuß, eben so wie
in dem der herrlichen Doppelquartette, welche ich bei Ihnen
in so meisterlicher Ausführung hörte. Das 4te wollte
mir anfänglich nicht so gefallen, doch in Ihrem Saale,
wo alles deutlich und schön hervortrat, war ich sehr
befriedigt davon. Blecha spielte in der Weihe der Töne
auf einer Joseph Guarneri für 1400 Thaler, einem Pracht-
instrumente, die ihm der Instrumentenmacher Zitt aus
Prag geliehen hat. Schon vor einem Jahre hat er
ein italienisches Quartett dem Blecha für seine Matinéen geschickt, das
die Schüler angekauft haben.
Vorgestern am Sonntage abends 5 Uhr hatte Breslau eine
eigenthümliche Abendunterhaltung. Die St. Salvator-
Kirche am Schweidnitzer Thore an der äußeren
Promenade gelegen unfern des Theaters, ging in Flammen auf. Da das alte,
große Gebäude von Holz war, frei stand, und der Wind
heftig blies, so war, trotz augenblicklicher und umfangreicher
Hülfe und der Nähe des Stadtgrabens nichts zu machen.

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