Full text: Brief von August Wilhelm Albrecht an Wilhelm Schwaner

8. April [1921] nachts

Nur für Vater Wilm!
Liebster Herzensbruder! Dieser Tag war, ist, einer der bedeutendsten meines Lebens. Meine Seele sagt es mir. Ich möchte, daß meine Seele aus ihrer tiefsten Tiefe zu dir spräche. Ich weiß nicht, wo ich beginnen soll, aber ich muß heute noch zu dir sprechen.
Du hast zu mir gesprochen wie nie ein Mensch, wie nie (vielleicht) zu einem Menschen. (Dies letztere weiß ich nicht, doch ich glaube es.) Ich glaube auch, daß keiner vor mir (ohne Stolz, in dankbarer Demut seis gesagt) deiner Seele so auf den Grund geschaut hat, wie ich. Daß keiner wie ich deine Not, deinen Willen zum Letzten so als etwas Ungeheuerliches begriffen hat. So begriffen hat, daß er erschrak und --- das sagt, was er jetzt sagen muß. Doch ehe ich es sage, spreche ich es aus, was auch berechtigt, es zu sagen. Wie komme ich dazu? Seit heute weiß ich, dasß auch ich, obwohl viel jünger, obwohl viel ärmer an innerer Erfahrung, Dir etwas zu befehlen habe, zu befehlen mit heißem, liebendem, ehrlichem Herzen, daß ich mit stärkster Hand in deinen äußeren Lebenslauf einzugreifen habe! - Höre, du darfst das nicht tun, was du zu tun gedenkst. Du darfst, sollst es nicht tun. Ich, dein liebster treuester, dich zu tiefst erkennender, erahnender, erschauernder Freund (Gott, welche Anmaßung u.[nd] doch welch Freund) ich will es, daß du mir folgst. Warum komme ich dazu? Weil meine tiefste Stimme ganz spontan unterwegs u.[nd] auch jetzt noch spricht:

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