Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

274 Photographisches Archiv. [Nr. 678.J 
aufträgt, mag dieser Vorwurf allerdings berechtigt sein, 
derselbe verringert sich jedoch auf ein viel bescheideneres 
Maass gegenüber dem modificirten Verfahren, nach welchem 
die Glasplatten vor dem Ueberziehen collodionirt werden. 
Wir wollen dieses verbesserte Verfahren an der Hand einer 
Abhandlung in den „Photographie Times“ und unter Ein 
flechtung eigener Erfahrungen so ausführlich als thunlich 
beschreiben. *) 
Man hat zunächst für ein geeignetes poröses Collo- 
dion Sorge zu tragen. Es ist dies von Wichtigkeit, weil 
durch die Collodion-Grundschicht, wie bemerkt, die Schwierig 
keiten des ganzen Verfahrens bedeutend vermindert werden. 
Ist das Collodion von der richtigen Beschaffenheit, so dringt 
das darüber ausgebreitete flüssige, jodirte Albumin leicht in 
dasselbe ein und etwa auf die Platte gelangender Staub 
sinkt in die Collodionschicht ein und richtet hier sehr ge 
ringen Schaden an. Gutes, gewöhnliches Negativ-Collodion, 
welches etwa acht Wochen vor dem Gebrauche jodirt 
worden ist, das aber natürlich noch nicht zersetzt (roth ge 
worden) sein darf, dient dem Zwecke vollkommen. Auf 
eine Glasplatte aufgetragen, muss dasselbe eine klare, 
glatte Schicht liefern, die weder opalescirend noch körnig 
sein darf und gut an der Platte haften muss. 
Zur Bereitung der Albuminlösung nimmt man zehn 
bis zwölf frische (etwa einen Tag alte) Eier, zerschlägt 
dieselben, trennt das Ei weiss sorgfältig vom Gelben und 
entfernt aus ersterem die Keime. Man wird danach an 
nähernd 300 ccm Ei weiss haben. Hierzu gibt man eine 
Mischung von 1,5 ccm Eisessig mit 15 ccm destillirtem 
Wasser, indem man mit einem Glasstabe vorsichtig um 
rührt. Die Mischung muss zwar eine innige werden, aber 
man darf auf keinen Fall so heftig umrühren, dass Schaum 
entsteht. Das Gefäss mit der Mischung wird dann ungefähr 
zwei Stunden lang an einen mässig warmen Ort gestellt. 
Nach Verlauf dieser Zeit wird man an der Oberfläche der 
*) Die Modification an sich ist nicht neu, schon Prof. J. Towler be 
schrieb dieselbe in seinem 1864 erschienenem Buche „The Silver 
Sunbeam“; der Verfasser des oben erwähnten Artikels hat jedoch 
das Verfahren neuerdings practisch so gründlich durchgearbeitet, dass 
die Wiedergabe seiner Erfahrungen von Interesse sein dürfte. — Red. 
[Nr. 678.] 
Photographisches Archiv. 
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Lösung einen halbfesten, ziemlich undurchsichtigen Klumpen 
finden, während die Lösung selbst ganz hell und klar sein 
wird. Man entfernt den Klumpen und alle etwa zurück 
bleibenden Theile desselben und filtrirt die klare Lösung 
durch ein Batisttaschentuch oder durch etwas rauhes Filtrir- 
papier. In etwa einer halben Stunde wird der Filtrirprocess 
beendet sein. 
Es werden dann noch 210 bis 240 ccm reines Eiweiss 
zurückgeblieben sein; diesen setzt man dann 2,5 ccm 
stärkster Ammoniakflüssigkeit, sowie eine Lösung von 
Z g Jodammonium in 15 ccm Wasser zu. Es empfiehlt 
sich ferner, noch 0,5 g Bromammonium zuzusetzen. Die 
Mischung wird hierauf gut filtrirt und ist dann zum Ge 
brauche fertig. Man achte darauf, dass dieselbe immer 
nach Ammoniak rieche, andernfalls setze man weitere kleine 
Mengen ' von Ammoniakflüssigkeit zu. Bisweilen wird 
man nudelförmige Klumpen in der Lösung finden; dieselben 
schaden nicht, müssen aber natürlich vor dem Gebrauche 
■der Lösung abfiltrirt werden. Um Luftblasen in der Lösung 
zu vermeiden, die sehr lästig sind, versehe man den Trichter 
des Filtrirapparates mit einem Gummischlauch, der bis aut 
den Boden der Flasche reicht. 
Die Sensitirungsfltissrgkeit wird wie folgt be 
reitet. Man löst 30 g Silbernitrat in 300 ccm dest. Wasser 
und setzt 30 ccm Eisessig, sowie einen kleinen Crystall 
(etwa Vs g) Jodkalium zu. Die Lösung wird in eine flache 
■Schale oder in eine Stehcüvette filtrirt. 
Die eigentliche Plattenpräp arat ion ist nun fol 
gende. Am besten nimmt man zum Ueberziehen grosse 
Platten und schneidet sie nach der Präparation auf das 
erforderliche Format. Das Glas muss, namentlich für Pro- 
jectionsphotogramme, vollkommen blasen- und fehlerfrei 
sein. Man reinigt dasselbe sehr gründlich mit Plattenputz 
pulver, legt es auf einen pneumatischen Plattenhalter und 
überzieht es in der bekannten Weise mit oben beschriebenem 
Uoilodion. Nach dem Erstarren der Schicht legt man die 
Platte in ein Wasserbad, bis das im Collodion enthaltene, 
das Wasser gelb färbende Jodsalz ausgewaschen ist oder, 
falls man nicht-jodirtes Collodion verwendet hat, bis die 
‘Collodionschicht das Wasser nicht mehr fettig abstösst.
	        

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