Full text: Zeitungsausschnitte über sonstige Veröffentlichungen

Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 49 
/I 
aus : ? 
1882 
Pie Photographie im Dienste der 
Kunst. 
JtC. Es darf wohl mit Sicherheit behauptet werden, daß 
wenige Umstände auf die Belebung und zugleich Vertiefung 
des Studiums der Kunstgeschichte fördernder eingewirkt ha 
ben, als die Ausbildung der Photographie zu einem Mittel 
getreuer Wiedergabe für Kunstgegenstände aller Art. Es mag 
noch so laut der nachtheilige Einfluß der Photographie aus 
die Pflege des Kupferstichs, des künstlerischen Holzschnitts rc.^ 
betont und beklagt werden, darum sagen wir aber doch: ble'j 
Photographie ist berufen und im Stande, der Kunstforschung 
und damit auch der Kunst Dienste der wichtigsten Art zu 
leisten. Seitdem sich die Ueberzeugung allmählig befestigt, 
daß mit dem früheren gemüthlichen, so zu sagen traditio 
nellen Betrieb der Kunstgeschichte gebrochen werden müfle, 
daß die Angaben selbst eines Augenzeugen wie Vasari nicht 
ungeprüft zu acceptiren seien, galt es vor allem, sich in mög 
lichst vollständigen Besitz des vorhandenen Materials zu setzen, 
und zwar sowohl für die Zwecke der kritischen Untersuchung 
und des eigenen Forschens, als auch ganz besonders für die 
des Unterrichts. Daß der Kunstgelehrte, wenn er wirklich 
seinen Berus ernst nimmt, die Werke der Meister mit eige 
nen Augen sehen, sie an ihren heutigen Standorten selbst 
aufsuchen muß, ist selbstverständlich, aber wie oft muß es ihm 
wünschenswerth sein, den vor Monaten oder vor Jahren vor 
dem Original empfangenen Eindruck wieder aufzufrischen, 
ohne daß er darum sofort eine Reise nach Petersburg oder 
nach Madrid antreten kann; — er muß sich für den Augen 
blick mit einer treuen Wiedergabe der in Frage kommenden 
Werke begnügen. Und wie viel mehr noch der Lehrer, selbst 
wenn ihm die Macht der anschaulich beschreibenden Rede in 
eltenem Maße zu Gebote steht: er wird jederzeit dankbar 
ein, wenn er seinen Zuhörern treue Nachbildungen der be- 
prochenen Kunstwerke vorlegen kann. In erster Linie wer 
ten ihm allerdings gute Kupferstiche wünschenswerth sein, 
aber ganz abgesehen von dem Umstande, daß nur wenige 
Lehranstalten so gut dotirt sind, daß sie sich den Luxus einer 
twr einigermaßen vollständigen Kunstblättersammlung erlauben 
' können, ist ein außerordentlich großer Prozentsatz des artisti 
schen Materials, mit dem sich heutzutage eine nur halbwegs 
gründliche Kunstforschung zu beschäftigen hat, entweder noch 
nie, oder doch nur in ganz ungenügender Weise durch die 
graphischen Künste reproduzirt worden. Wie die Welt ein 
mal ist, wird auch der für seine Kunst begeistertste Kupfer 
stecher nicht umhin können, bei der Auswahl der von ihm zu 
stechenden Gemälde auch daran zu denken, ob er einigerma 
ßen Aussicht habe, nach 6, 8 und mehr über Herstellung der 
Platte verbrachten Jahren wenigstens einen bescheidenen Lohn 
für seine Arbeit zu finden, — und im verneinenden Falle 
wird er auf die Wiedergabe manchen Bildes verzichten müssen. 
Sollen wir es da nicht mit Freuden begrüßen, wenn in 
solchen Fällen die Photographie uns ihre jederzeit bereite 
Hülfe leicht und in wenig Augenblicken eine treue Nachbil 
dung herstellt? 
Um diesen letzten Punkt: die treue Wiedergabe Sei 
tens der Photographie — wurde früher viel gestritten. Die 
Einen lobten die absolut zuverlässige Wiedergabe der Linie, 
die Anderen stießen stch an der falschen Wirkung der Farbe, 
namentlich bei Reproduktion von Oelgemälden. Die Freunde 
der Photographie konnten nur hoffen, daß dieser unleitgbare 
Mangel, der das blaue Gewand einer Madontta als weiß, 
ihr blondes Haar als schwärzlich-braun erscheinen ließ, und 
damit die vom Künstler gewollte Farbenstimmung oft in ihr 
Gegentheil verkehrte, — sich durch Vervollkommnung der 
Apparate, der chemischen Agentien rc. noch werde beseitigen 
lassen. Und daß ste sich nicht allzusehr geirrt haben, beweist 
die neue Publikation des Hauses Ad. Braun u. Cie., welche 
zunächst diese Betrachtungen veranlaßt.*) 
Wenige haben sich um die Verbreitung des kunsthistori 
schen Materials und die Erleichterung beS Studiums solche 
Verdienste erworben, wie der Gründer genannter Firma. Um 
die Mitte der 60er Jahre war Adolph Braun im Besitz eines 
photographischen Druckversahres, welches ihm gestattete. Hand- 
zeichnungen der Meister unter Anpassung an die Farbentöne 
des Originals (Rothstein, Tusche, Sepia, Stift rc.) mit oft 
überraschender Treue wiederzugeben. Er benutzte es, um die 
vorher nur weniger bekannten, und manchmal schwer zugäng 
lichen Sammlungen von Zeichnungen alter Meister allen 
Kunstfreunden zu erschließen. In rascher Folge wurden der 
*) Le Mösle do 
■rapine inferable 
)omach, 1882. 
Prado fc Madrid, 
an charbon par 
d. Braun Cie,
	        
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