Full text: Zeitungsausschnitte über Grimmdenkmäler, -feiern, -sammlungen und -museen

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v. d. Malsburg, die Marburger Universitätslehrer 
Professoren Dr. Jnsti, Dr. Schröder, Dr. Dietrich, 
Dr. Schmidt und Dr. Bauer, die Gießener 
Universitäts-Professoren Dr. Bindewald, Dr. v. Bracke 
und Dr. Sommer, den Dichter Dr. Wilhelm Jordan 
von Frankfurt, Prof. Eberle—München, den Schöpfer 
des Denkmals, den Director des Goethe« und Schiller- 
Archivs in Weimar, Prof. Dr. Suphan, Oberbürger 
meister Schüler—Marburg, den früheren Oberbürger 
meister Hanois, Rauch (jetzt Oberbürgermeister der 
Stadt Wandsbeck), Lanvrarh v. Schenk—Witzenhausen, 
Gymnasial-Director Professor Dr. Heußner—Cassel, 
Oberbibliothekar Dr. Lohmeyer—Cassel, Bibliothekar 
Dr. Brunner—Cassel, Gymnasialoberlehrer Professor 
Dr. Wolfs—Frankfurt a. M., Archivar Dr. Kochen- 
dörffer—Marburg. 
Geh. Rath Prof. Dr. Hermann Grimm-Berlin, 
der Sohn Wilhelm Grunm's, hatte leider aus 
Gesundheitsrücksichten auf eine Theilnahme an der 
Feier verzichten müssen. So war als einziger Ver 
treter der Familie der Gefeierten Herr Dr. v. Wild 
von hier erschienen. 
Pünktlich um 2 Uhr Nachmittags begann die Feier 
mit der von der Capelle der dortigen Ulanen 
schwungvoll gespielten Lortzing'schen Fest-Ouverture. 
-Sodann sang der Männer-Chor mit Orchesterbegleitnng 
Mozart's „€) Schutzgeist alles Schönen", von Herrn 
Dr. Limbertkunstsicher geleitet und von mächtigem Ein 
druck. Nachdem der Gesang beendet, trat Herr Fabrikant 
C. Kehl in die Mitte des Kreises, um Namens des 
Denkmals-Ausschusses mit einer kurzen Ansprache die 
Enthüllung des Denkmals vollziehen zu lassen. Er 
gedachte kurz des erhabenen Zweckes dieser Schöpfung 
und der Mühen, die es gekostet, bis das Werk so i 
herrlich schön erstehen konnte. Nachdem die Hülle 
gefallen, überantwortete er das Denkmal dem Schutze 
der Stadt Hanau. Für Letztere sprach Herr Ober 
bürgermeister Tr- G e b e f ch u s die Uebernahme und den 
Dank aus. Letzterer erinnerte an die bedeutenden 
errungenschasten der Jahre 1870/71, die uns das 
Ziel und höchste Streben aller Patrioten, ein eigens 
^Risches Vater? gebracht. Dieses ionale Ziel 
verkörpere sich auch in diesem Denkmal : . Gebrüder 
Grimm, die für deutsche Sprache, deutsche Wissenschaft 
und deutsche Poesie so unendlich Großes gethan und 
damit dem nationalen Fühlen den wirksamsten Impuls 
gegeben. Nicht Hessen, nicht Preußen, nicht Deutsch 
land, nein das ganze deutsche Volk habe dieses Denk 
mal errichtet. So weit die deutsche Zunge klingt, 
wo deutsches Fühlen und Denken nur eine Heimstätte 
hat, allüberall ist zu diesem Werk beigesteuert und 
damit die Liebe zum deutschen Vaterland be 
kundet worden. So ist diese Denkmalserrichtung 
im schönsten Sinne eine deutschmationale That ge 
worden. Namens der Stadt Hanau dankte Herr 
Dr. Gebeschus allen hochverehrten Gebern, überhaupt 
Allen, welche zur Verwirklichung der Idee beigetragen, 
den Brüdern Grimm ein Denkmal in ihrer Vater 
stadt zu setzen. Hanau habe damit ein selten schönes 
Monument erhalten und sei stolz darauf, der Ehre 
gewürdigt worden zu sein, dasselbe zu bewahren. 
Urdeutsches Fühlen und Denken, deutsches Wesen und 
deutsche Sitte wollen wir immerdar hochhalten, damit 
ehren wir uns selber. Dieses Denkmal soll echt 
deutsche Gesinnung bekunden und Zeuge sein, daß sie 
immerdar gewahrt wird. In diesem Sinne über 
nehme ich — schloß der Herr Oberhürgermeister seine 
mit lebhaftem Beifall aufgenommene Rede — dieses 
Denkmal in die Fürsorge und Obhut der Stadt 
Hanau. 
Nunmehr trat Herr Prof. Dr.Suphan vor, um 
im Aufträge Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs von 
Weimar, Ihrer Kgl. Hoheit der Frau Großherzogin 
Sophie und Namens des Goethe- und Schiller- 
Archivs in Weimar drei prachtvolle Riefenlorbeer- > 
kränze mit goldenen Schleifenwidmungen am Denkmal j 
niederzulegen. Weitere Kränze widmeten die ger 
manistischen Seminare der Universitäten Marburg! 
und Güttingen, sowie Rector und Senat der Uni- i 
versitäl Marburg. Namens der letzteren sprach Geh. | 
Rath Prof. Dr. Justi. Derselbe wies darauf hin, 
daß die Brüder Grimm in Marburg die Rechts 
wissenschaften studirt und dort die Doctorwürde er 
langten, habe auch die Marburger Hochschule beson 
deren Antheil also an diesen großen Männern, die 
mit der Gewalt des Forfchens die Freiheit der Wis 
senschaften vertraten. Endlich legte Herr Stadtrath 
Koch auch noch im Auftrag des Dichters Julius 
Rodenberg, des Herausgebers der „Rundschau", einen 
Kranz am Fuße des Denkmals nieder. 
Dieses selbst stellt sich, wie schon erwähnt, als ein 
wirklich hervorragendes Kunstwerk dar, das sich auf 
dem großen Marktplatz Hanau's ganz außerordentlich 
schön und wirkungsvoll präsentirt. Es ist wahr, was 
schon neulich in einem Artikel gesagt worden ist, daß 
es in glücklicher Weise monumentale Auffassung mit 
genremaßiger Schlichtheit vereinigt. Der jüngere der 
Brüder, Wilhelm, ist sitzend aufgefaßt, auf den Knieen 
einen Folianten, über den er geneigt. Hinter den 
Sessel gelehnt, steht Jacob. Der Gesichrsausdruck 
bei beiden Brüdern ist vortrefflich gelungen. Die 
Seiten des Sockels sind mit Reliefs geschmückt. Auf 
der einen Seite ist die wissenschaftliche Thätigkeit der 
Brüder durch die Darstellung eines Greises charaktensirt, 
der eine austretende Schaar von Jünglingen belehrt. 
Die Märchenerzählerin, von Kindern mit ihrer 
Mutter lauschend, umgeben, finden wir auf der anderen 
Seite, die poetisch volksthümliche That der Märchen- 
"fammlung verherrlichend. Was die Höhe des Denk 
mals angeht, so ist der Broncesockel etwa 2 Meter, 
die stehende Figur 3 Meter hoch. Das Ganze steht 
auf einem Sandsteinsockel von auch etwa 2 Meter 
Höhe. Stirn- und Rückseite des Sockels tragen die 
Inschriften: „Jacob und Wilhelm Grimm", — „Den 
Brüdern Grimm das deutsche Volk". 
Nachdem die Ansprachen beendet waren, ersckoll der 
herrliche Bcethoven'jche Männerchvr: „Die Himmel 
rühmen des Ewigen Ehre". Eine reizende Idee war 
sodann die Huldigung, welche die dankbare Kinder 
welt ihren Märchenerzählern darbrachte. — Im 
großen, farbenreichen, von Herrn Academielehrer 
Maler Schulz-Hanau geschickt arrangirten Zuge traten 
die Kinder aus dem Rathhausthor heraus, um 
schatten mehrere Male das Denkmal, um am Ende 
den Fuß desselben mit Blumen zu bestreuen. Da 
erschienen alle die allerliebsten Märchenfiguren Dorn 
röschen, Schneewittchen und die sieben Zwerge, die 
sieben Raben, Fischer und Frau, Häusel und Gretel 
re. re. Das Ganze bot ein Bild von ungemein 
poetisch-liebreizender Art und fand den allgemeinen 
Beifall der Festversammlung. 
Mit einem vom Orchester gespielten Marsche hatte 
die Feier am Denkmal gegen 3 Uhr ihr Ende 
erreicht. 
Nunmehr ging's zur weiteren Feier nach dem 
Stadtlhearcr, das in allen seinen Theilen dicht besetzt 
war. Die Vertreter der Presse hatten dabei den 
I zweifelhaften Vorzug, in drangvoll fürchterlicher 
! Enge, dieselbe hoch vom Olymp aus zu verfolgen. 
Wir befanden uns hier allerdings in der besten 
Gesellschaft, man hatte aber jedenfalls nichts gethan, 
die Schwierigkeit der Berichterstattung zu erleichtern. 
Mit der Kalliwoda'schen Festouvertüre, wieder ge 
spielt von der Capelle des Thüringischen-Ulanen- 
Regiments Nr. 6, unter Leitung des Herrn Stabs 
trompeters Urbach, wurde die Feier im Theater 
eingeleitet, worauf sich der Vorhang hob und 
Universitätsproseffor Dr. Schröder- Marburg die 
hier aufgestellte Rednertribüne bestieg, um seinen Fest 
vortrag zu halten. Derselbe verstand es vorzüglich, 
in lebendigen Farben das wissenschaftliche und poetische 
Wirken der Brüder Grimm zu schildern. In 
der Einleitung betonte er, wie wir keine neue 
und eigene Form haben, das Andenken großer 
Männer zu feiern, wie wir dieselbe viel 
mehr von den Völkern der antiken Welt überkommen. 
Das Bild aber, das soeben aus dem Marktplatz vor 
aller Augen entwickelt wurde, sei gewiß allseitig mit 
Entzücken geschaut worden. Die Jugend der Brüder
	        

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