Full text: Zeitungsausschnitte über Grimmdenkmäler, -feiern, -sammlungen und -museen

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 48 
aus 
Erste Beilage zur Vossischen Zeitung, 
Nr. 535, 1890, Nov. 15 , S. 1 
Frankfurt a. M., 14. November. Der Kultusminister -hat, 
wie die „Post" berichtet, an das Komitee des Grimm-Denk 
mals in Hanau ein Schreiben gerichtet, in welchem er mittheilt, 
daß er mit Rücksicht darauf, daß das Komitee dem von dem 
Preisgericht fast einstimmig gefällten Urtheile nicht die erforder 
liche Beachtung geschenkt und ohne Rücksicht auf die Ent 
scheidung des Preisgerichts, statt mit dem Urheber des 
an erster Stelle prämiirten Entwurfs, Professor Wiese in 
Hanau, mit einem anderen Künstler unterhandelt habe, 
den in Aussicht gestellten Staatspreis von 25000 Mark 
nicht gewähren, sondern auf Vorschlag der Landes-Kunst- 
Kommisston nur die Honorare der an dem Wettbewerb betheilig 
ten Künstler mit 7200 Mark auf den Kunstfonds übernehmen 
werde. Die ferneren Entschließungen werden den, Komitee an 
heimgestellt. Professor Wiese wird als Entschädigung für die 
erlittenen Täuschungen für die Ausführung einer Marmorstatne 
für die Säulenhalle des alten Museums in Berlin in Vorschlag 
gebracht. Ausdrücklich wird bemerkt, daß gegen die Wahl eines 
Künstlers, dessen Entwurf den besonderen Beifall des Komitees, 
sowie der Bürgerschaft Hanaus gefunden, seitens des Ministers 
nichts rn erinnern ist 
aus 
Erstes Beiblatt zur Nationalzeitung, Nr. 623, 
1890, Nov. 18, S. 3 
— Der Kultusminister v'o'n'Äoßler hat an das Comite zur 
Errichtung des Gebrüder Grimm-Denkmals in Hanau 
folgendes vom 11. November d. I. datirtes Schreiben gerichtet: 
„Nachdem ich zufolge meiner Erlasse vom 29. November 1889 und 
vom 17. Juli d. I. die Landesknnstkommission über die Frage ge 
hört habe, ob bei dem gegenwärtigen Sachverhalt der Angelegenheit 
des den Brüdern Grimm in Hanau zu errichtenden Denkmals die 
dem Comite unter Voraussetzung meiner Mitentschcidung 
über die künstlerische Gestaltung des Werkes in ' Aus 
sicht gestellte StaatSbeihülse von 25 000 Mark zu gewäh 
ren sei, erwidere ich dem geehrten Präsidium des Comites 
auf den gefälligen Bericht vom 25. Juni d. I. Nach 
stehendes: „Es mag dahin gestellt bleiben, ob das Comite gemäß 
der Bestimmung des Preisausschreibens zu»n Wettbewerb um das 
Denkmal mit dem Urheber des an erster Stelle prämiirten Ent 
wurfes Professor Wiese zu Hanau „Verhandlungen" eingeleitet 
hat; zweifellos ist, daß diese Verhandlungen vorzeitig und ohne 
ausreichenden Grund abgebrochen worden sind. Jedenfalls hat das 
Comite dem von dem Preisgericht fast einstimmig gefällten Urtheile 
nicht die erforderliche Beachtung geschenkt und ohne weitere Rück 
sicht auf die Entscheidung des Preisgerichtes mit einem anderen 
Künstler unterhandelt. Die bei Erlaß des vereinbarten Preisaus 
schreibens gehegten Voraussetzungen sind daher nicht überall ein 
gehalten. Deshalb ist mir empfohlen worden, den in Aussicht ge 
stellten Staatsbeitrag von 25 000Mk. nichtzn gewähren, dagegen 
die Kosten des Wettbewerbes, insbesondere die Honorare der an 
dem Wettbewerb betheiligten Künstler mit 9 x800 Mark — 7200 
.Mark auf den Knustfvnds zn übernehmen. Für den Professor 
Wiese wurde mit Rücksicht auf den hohen künstlerischen Werth der 
von ihm gelieferten Arbeiten gleichsam als Entschädigung für die 
durch das Verfahren des Grimm-Comites ihm bereiteten Ent 
täusch, tngcn der Auftrag zur Ausführung einer Marmorstatue für 
die Säulenhalle des Alten Museums in Berlin in Vorschlag ge- 
bracht. Dieses mit allen gegen eine Stimme gefaßte Votum der 
landesknnstkommission, welche Sachverständige aus der gekämmten 
Monarchie umfaßt und in welcher die seiner Zeit bei dem 
Preisgericht in Hanau betheiligt gewesenen Mitglieder eine 
geringe Minderheit bilden, habe ich beschlossen, meiner Entscheidung 
in der Sache zu Grunde zn legen. Ich erbiete mich demgemäß 
unter Zurückziehung der s. Z. in Aussicht gestellten 25000 Mk. 
den oben bezeichneten Antheil an den Kosten des Denkmals mit 
i 7200 Mk. zn übernehmen, da dieser Betrag den zur Bethätigung 
aufgeforderten Bildhauern zu Gute gekommen ist und die'An 
gelegenheit gefördert hat. Dagegen will ich dem Comite die ferneren 
Entschließungen lediglich anheimstellen und bemerke ausdrücklich, 
daß gegen die Wahl des Künstlers, desien Entwurf den besonderen 
Beifall des Comites, sowie der Bürgerschaft Hanau's gefunden hat, 
meinerseits Nichts zn erinnern ist. Dem Professor Wiese habe ich 
Abschrift dieses Erlasses mitaetbeilt."
	        

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