Full text: Zeitungsausschnitte über Grimmdenkmäler, -feiern, -sammlungen und -museen

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176 vermischte Nachrichten — Kunstlitteratnr und 
Dr. Grimm, sämtlich in Berlin. Bon Künstlern gehören der 
Kommission als Mitglieder an: der Maler Will). Amberg (Berlin), 
der Präsident der Akademie der Künste, Geschichtsmaler Professor 
Karl Becker (Berlin), der Maler G. v. Bochmann (Düsseldorf), 
der Kupferstecher, Professor Gustav Eilers (Berlin), der Architekt, 
Geh. Regierungsrat Professor Herm. Ende (Berlin), der Geschichts 
maler, Professor v. Gebhardt (Düsseldorf), der Geschichtsmaler, 
Professor Fr. Geselschap (Berlin), der Architekt v. Großheini 
(Berlin), der Maler, Professor Peter Jaussen (Düsseldorf), der 
Landschaftsmaler, Professor Max Schmidt (Königsberg), der 
Geschichtsmaler, Professor Julius Schräder (Berlin), der Bild 
hauer, Professor Dr. Rudolf Siemering (Berlin), der Direktor 
der kgl. Kunstakademie, Maler, Professor Carl Steffeck in Königs 
berg i./Pr., ferner der Direktor der kgl. akademischen Hochschule 
für die bildenden Künste, Maler, Professor A. v. Werner (Berlin) 
der Bildhauer, Professor Aug. Wütig (Düsseldorf), endlich der 
Bildhauer, Professor Alb. Wolfs (Berlin). Bekanntlich tritt die 
Kommission oder einzelne Mitglieder derselben in allen denjenigen 
Fällen in Beratung, in welchen es sich um die Ausführung von 
Kunstwerken handelt, die entweder aus Staatsmitteln oder unter 
Beihilfe des Staates hergestellt werden. Die Haupttätigkeit der 
Kommission besteht aber in denjenigen Beratungen, welche die 
Erwerbungen für die hiesige kgl. Naüonalgalerie betreffen. 
Kunstlikleratur und vervielfältigende Kunst 
— Bon den bereits im achten Heft d. Jahrgangs erwähnten 
„Kunstberichten der Photographischen Gesellschaft in 
Berlin" liegt uns die vierte Rümmer vor, welche einen gut 
geschriebenen und illustrierten Artikel über Anton von Werners 
künstlerische Thätigkeit enthält. Derartige biographische Abhand 
lungen sind durchaus geeignet, den „Kunstberichten" einen selbst 
ständigen Wert zu verleihen, der bewirken tvird, daß die Freunde 
inoderner Kunst diese gratis ausgegebenen Berichte sich als 
ivertvolles Material aufbewahren werden. 
Pt Im Kunstverlag von Rudolf Schuster in Berlin ist 
soeben eine fast lebensgroße Radierung des Bildnisses unsers 
Kaisers Wilhelm II. von Girardet (Preis 20 Mk.) herausge 
kommen die besonders als Zimmerverzieruug empfohlen werden 
kann, sowohl ob ihrer großen Ähnlichkeit als wirkungsvollen 
Behandlung. Daß sich die Schrift dieses Gesichts nicht wie ein 
A-B-C-Buch lesen, vielmehr recht wenig erraten lasse, es wäre 
denn feste Entschlossenheit, das kann man hier mit vollkommener 
Deutlichkeit sehen. Ebenso eine gewisse Familienähnlichkeit mit 
dem alten Fritz, die uns für einen deutschen Kaiser nur höchst 
willkommen sein kann, besonders wenn sie sich dereinst auch in 
Thaten ausspricht. 
F.Pt. Ein weiteres Bild des Kaisers, von Eilers wie es 
scheint nach einer Photographie radiert (Berlin, Paul Bette) und 
nach der Natur retouchiert gibt den jungen Monarchen von vorne 
und mit auffallender Feinheit der Modellierung wie des Aus 
drucks wieder, etwa so wie wenn man ihn ganz in der Nahe 
betrachtete. Dabei gewinnt unstreitig der Mensch, der jugendlich 
frischer, offener, kühner und kampflustiger aussieht, aber dafür 
allerdings einiges vom Reiz des Geheimnisvollen einbüßt. — 
Es wird Geschmackssache sein, ob man da lieber den verschlossenen 
Herrscher oder den jungen Helden wählen mag, die Damen 
dürften sich jedenfalls für den letzteren entscheiden. 
v.S.— Stangs Stich nach Lionardos Abendmahl, 
Professor Stang hat sich eine äußerst schwierige Aufgabe gestellt und 
dieselbe mit größtem Fleiße gelöst. Es galt ein Wunderwerk der 
Kunst aus einem durchaus verblaßten, überdies mehrmals völlig 
übermalten Fresko mit Hilfe einiger verzerrten alten Kopien und 
einer Reihe von Zeichnungen der Köpfe in seinem mutmaßlich 
ursprünglichen Aussehen annähernd wieder herzustellen, also eigent 
lich neu zu schaffen. Daß sich der Stecher nicht hat verleiten 
lassen das Werk nach einer jetzt bisweilen beliebten Weise einfach 
in dem Zustande wiederzugeben, in welchem es sich zufällig ge 
rade zur Zeit befindet, ist sehr zubilligen: leistet doch in Hinsicht 
der absoluten, gedankenlosen Treue die Photographie weit mehr, 
als der beste Kupferstich je zu leisten vermag. Stang hat also den 
selben Weg betreten, welchen seiner Zeit Raphael Morghen ge 
gangen war. Die mancherlei Willkürlichkeiten, welche sein Vor 
gänger sich erlaubt hatte, sind hier glücklich vermieden. Der Raum hat 
die richtige Höhe erhalten, Licht und Schatten sind besser verteilt 
Für die Redaktion verantwortlich: Fritz Schwartz - 
vervielfältigende Kunst — vom Kunstmarkt 
worden, die Luft ist heller gestaltet, der Vordergrmtd dagegen 
dunkler gehalten; auch der Tisch wirkt viel ruhiger. Die Köpfe 
der rechten Hälfte des Bildes, die bei Morghen arg karikiert 
waren, haben »vesentlich gewonnen und das Antlitz Christi ist 
durch die Verwendung der Brera-Zeichnung entschieden veredelt 
und vertieft worden. Gewünscht hätten wir, daß auch die schöne 
Bildung der Hände des Andreas und des Simon, welche noch 
immer aus dem so arg mißhandelten Fresko hervorschimmern, mit 
berücksichtigt worden wäre. So ist denn der Morghensche Stich 
in tvesentlichen Punkten verbessert worden; als geschlossenes Kunst 
werk, als ein Werk des Grabstichels, ist er freilich nicht über- 
troffeu. Die einheitliche Färbung — bei Stang fallen einzelne 
dunkle Teile, wie z. B. das llntergewand Christi, bedenklich aus 
dem Ganzen heraus —; die charaktervolle Zeichnung der Gewänder, 
die Durchbildung der Haare, die Energie in Betvegung und Aus 
druck: diese Eigenschaften hat der ältere Stich vor dem neuen 
voraus. Seine metallische Härte hat wenigstens Charakter, sie 
entspricht der Technik des Kupferstiches; die Verschwommenheit 
nd Verblasenheit des jüngeren Künstlers rechtfertigt dagegen nur 
zu sehr das vernichtende Urteil, rvelches der viel angefeindete 
anonyme Verfasser des Aussatzes ini Februarheft der deutschen 
Rundschau: „Die gegenwärtige Lage der Kupferstechkunst" über 
den Beruf der Gegenwart zu dieser Kunst ausgesprochen hat. — 
Fragt man endlich, ob der Geist Lionardos hier besser wieder- 
gegeben sei, als in dem Morghenschen Stich, so muß man sagen, 
daß beide ihn gleich »venig getroffen haben. Dazu wären an 
gesichts des völlig ruinierten Zustands des Originales ganz andre 
Vorbereitungen erforderlich geivesen, als Kupferstecher sie zu 
machen pflegen und zu machen brauchen. An den wenigen 
erhaltenen Gemälden des seltenen Meisters sowie an seinen Zeich 
nungen hätte eine eindringende lebendige Kritik geübt werden 
müssen; die bemfenen Kenner Lionardos, deren zwei vorzüglichste 
— Morelli und Frizzoni — ihren Wohnsitz gerade in Mailand 
haben, hätten wiedertwlt befragt und zu Rate gezogen werden 
sollen. Und selbst dann wäre das Gelingen immerhin sehr frag 
lich geblieben. Überhaupt wird, selbst im besten Fall, ein Stich 
nach Lionardos Abendmahl zu Studienztvecken nur mit Rücksicht 
auf die Komposition im Allgemeinen, auf den Eindruck, den das 
Gleichgewicht der Massen hervorruft, verwendet werden können. — 
Der Druck der großen Platte ist von der Kupferdruckerei von 
Hartmann und Beck in Düsseldorf befriedigend ausgeführt worden. 
Vom Kunstmarkt 
— Berlin. Bei der Versteigerung der Sammlung Gerard 
durch Rud. Lepte ivurden für einen Tizian, Halbfigur eines älteren 
Mannes 2745 Mk., für eine Venus desselben Meisters 715 Mk. 
erzielt. Ein Michelangelo „Stillleben" brachte es auf 1340 Mk. 
und ein Murillo „Der m einer Landschaft knieende heilige Antonius 
von Padua" auf 1060 Mk. Weiter bringt am 26. Feb. und an den 
folgenden Tagen obengenannter die Gemäldesanunlungen Schlippen 
bach, Grabowski, de Leeuw rc. zur Versteigerung. Der Katalog 
weist sehr wertvolle Gemälde aller Meister auf, als de Brouwer, 
Hondekoeter, Ruisdael, Wenix, Hals, Wouwermann, Bol, Fyt, 
Steen, Rubens, Brueghel, Tintoretto, de Keyser, Rembrandt re. 
Der Katalog wird auf Verlangen gratis versandt. 
"Leipzig. Otto August Schulz versendet einen 
interessanten Kunst- und Autographen-Katalvg. (Nr. V). Der 
selbe enthält Aquarelle und Handzeichnungen älterer und neuerer 
Meister, Autographenalbum und Sammlungen. Der 44. Katalog 
von Karl W. Hiersemann bringt über 1000 Nummern Werke 
über Malerei, Skulptur, Kupferstechkunde und Kunstdenkmäler. 
— Der neueste (158.) Annquariatskatalvg von K. Th. Völcker 
in Frankfurt a. M. enthält zahlreiche ältere Holzschnitt- und 
Äüpferwerke, einzelne Kupfer, Holzschnitte, Flugblätter rc. 
— A. Cohns Antiquariat versendet seinen 108. Katalog, 
der in 474 Nummern illustrierte Litteratur des 17. Jahrhunderts 
enthält. 
Redaktionsschluß s. Iievruar - Ausgaöe 23. Aevruar 
Inhalt des elften Nestes: $c*t: Her,nan Helferich. über die 
Kunst in England. II — Otto Brandes. Pariser Briefe — Fr. Pecht. 
Unsere Bilder — Kunstnotizen rc. — Uilderveilagen: F r a n z v o n L e >,* 
dach, Kaiser Wilhelm — Harry Joch in ns, Kinder in der Sommerfrische 
— Rudolf Jordan, Ein Rettungsboot — Eduard von Lichtenfels, 
Brettsäge. 
Druck der Bruckmann'schen Luchdruckerei in München
	        

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