Full text: Zeitungsausschnitte über Werke von Herman Grimm: Goethe

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©oet^t son german ©rtmm.*) 
(@$l «&.) 
A ©rimm hat nicht bie SIbfidjt, ba§ Seben ©oetbe’S nach 
äße» ©eiten ooflftänbig pr DatfieHung p bringen. @r fonnte 
ba$ auch mohl nicht in einer Steife pon achtunb^manjig Bor* 
lefmtgen, bie gebrutft nur jmei feör mäßige Bänbe füllen. 
Jornmi ipm nur barauf an, tn großen Bügen bie ©ntrotcfelung 
beS Deters p fchclbern. DeSgaib fommen auch längft nicht 
alle Berhältniffe DeS DidjterS unb namentlich nicht alle feint 
Sföerfe pr Befprechmtg, bie michtigfien nur greift er heraus, 
©o macht, non adern Uebrigen abgefeheu, fei« Such leine ber 
anberen Biographien beS Dichters entbehrlich- Aber in geroiffem 
©tnne fann man eS bodh als eine nicht unroefentliche ©rgänpng 
berfelben betrachten. @3 ift ohne grage in einem groben ©time 
getrieben unb bie großen Untrtffe, in benen baS Bilo be* 
Jk'loen hi« oorgefühtt wirb, hnben in ihrer freien Sicherheit 
üiet AnjiehenbeS, unb mürben baS noch mehr haben, menn won 
nicht fo oft baS ©eifireidje für folibe Begrünbung nehmen 
müßte, unb ben fubjectiben ©infall für eine unparteiifche 
Beobachtung. Unb namentlidh, menn ber Berfaffer gelegentlich 
meit auSpolt, um einen Bunft fo recht aus ben 
ffunbamenten her llarpfteüen, hat man mehrfach ben ©inbruef 
als fei beS guten SMeitS hier mehr als nöthig auf gemenbet. 
SBaS bebarf eS pm Berftänbniffe beS ©öfc *. B. eines furama* 
rixhen AbriffeS ber gefamrnten ©efcbichte beS Dramas, ober eines 
ebenfoldjen beS Romans für bie SSürbigung beS SBerther, um 
fo mehr, meil ber eigentliche B«nlt, auf ben eS hter anlommt, 
baß nämlich ber äBerther in einem gan& entfdhiebenen Abhängig 
leitSo unb BermanbtfchaftSPerhällmffe p Stouffeau’S bleuer 
&eloife fteht, fomohl burch ©rieh ©chmibt als auch burch ©eorg 
BranbeS längft befannt unb begrünbet ift. Dagegen mirb man 
mit entfdhiebenftem 3ntereffe berfolgen baS Berhältniß pnfehen 
©oetpe unb Berber. DeS lefjteren ©haralter, ber neben fo oielen 
großen ©igenfdjaften beS ©eifteS bodh eine feltfame Betmifchung 
oon lleinltcher ©itelfeit, faft meiblicher 9tet$bat!eit befaß unb 
nicht frei oom ftteibe mar, tritt mit großer Klarheit h«au*- Auch 
bie ©ntmicflunq ßaoater’S, ber anfänglich einen nicht minberen 
©influß auf ©oethe auSübte unb über ben biefer bodh sulefc* 
mit bem Urtheile abfehloß, er belog fich unb anbere — ift feljr 
anfchaulidh gefchilbert. Unb mit befonberer Ausführlichst fommt 
bie Beziehung p ©chiller pr Darfteöung. Deffeu anfängliche 
felbfibemußte Spaltung, gegen bie ©oethe’S lühle Ablehnung fo 
Oerlepenb mirlte, bie Seit beS böttigen fJferneftehenS, bann bie 
allmähliche Annäherung merben heroorgehoben. Unb hoch macht 
©rimm fein $ehl barauS, baß ©oethe, mie er tootpgSmeife ber 
*) ©oethe. Borlefungen, gehalten an ber fgl Unioeifität p 
Berlin Oon ^ermatt ©ritntn. 2 Banbe. Berlin. S®. $erp. 11 3JtI. 
©ebenbe unb ber gförberttbe mar, auch in biefer greunbfdhaft 
ftch niemals ganj putgab unb bei noch fo großer ©emeinfacnfät 
ber 3*tereffen unb bet ber nahen Berbinbung p manchem 
gememfamen Serie bodh immer noch feme ffteferoen machte unb 
innerlich biel unberührter blieb, als ©chiHer. 
Unter ben bichterifchen |jauptmerlen, meldhe ©rimm citt= 
gehenber ermähnt, fei h*« nur auf baS hütgeroiefen, ma« « 
über ^p^igcnic unb über ben ftauft fagt. 3« Bepg auf bie 
erfte erfcheint eS bemerfenSmerth, baß fb eigentlich nicht fo gut 
megfommt, als man fonft finbet. Bon allen benen, meldje 
©oethe'S Serie mit bem ftrengen äßaße äfthetifcher Kritil be* 
handeln, pflegt jenes Drama neben ^ermann unb ‘Dorothea unb 
ben SBahloermanbtfchaften als auch nach biefer ©eite hin tabelloS 
auSfdblteßlich arterlannt p merben. 3Wit Stecht aber, fchetnt eS, 
macht ©rimm barauf aufmerffam, baß gerabe bei 3Pht9enie 
©oethe nicht p einem rechten Abfdjfuffe fommen foitnte, baß er 
bie Bearbeitung immer rnteber aufnimmt, fchließlich bamit ab' 
bricht, aber eine lefcte enbgültige auch bann noch in AuSficht 
ftellt. Unb befannt ift, baß, als ber Dichter im 3 a h*e l? 97 
bei 3 fl c° 6 i in Dempelfort meüt uttb er bo»:t etmaS 
pm Borlefen forbert, bie ihm gegebene Sbbigenie jurücflegt, 
metl er fich tn Don unb ©eifi beS ©anpn nicht mehr su finben 
oermochte, mie er benn ja auch fein eigenes Urtheil batübec in 
bie Sorte pfammenfaßte: fte fei fo oerteufelt human. 
SSaS über ben gauft ÖßfßQt mirb, genügt am aöecmenigften. 
©S ift freilich am fchmerften, barüber p rebe». Aber p gering 
erfcheint e$ jebenfaßS, menn ©rimm fich bamit begnügt, im 
AJefcntlichen nur ben brei ^aupteharafteren in ihrer ©utftehung 
nachäufpüren. 3m Aügemetnen ift eS gemiß ber richtige ©timb* 
fap, bie ©eftaiten ber ©oethe’fchen Dichtungen in feiner Um« 
gebung aufpfuchen unb bie $bee feiner SÖerfe aus ben per* 
fönltchften ©rlebniffen herjuleiten. ©oethe h«t es felbft oft | 
genug auSgefprochen, baß fo ber ^ergang feiner Politiken ©on* | 
ceptiou fei. Aber eS bleibt biedetebt noch fraglicher, als ©rimm' 
eS taffen mill, baß baS Urbilb ©retchenS bie ©eliebte in 
©eefenheim mar. AIS ber DppuS beS SJtephifto gilt 
fonft ber KriegSrath EÄerdE in Darmftabt, ber ©oethe 
roährenb feiner ^meiten ffranSfurter S«t fehr nahe
	        
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