Full text: Zeitungsausschnitte über Veröffentlichungen von Herman Grimm: Über einzelne Kunstwerke

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 G 
deutet, sich nur halb nach ihm umwendend, auf die Seile 
des Buches, wo die für ihn sprechenden Gründe^eschrieben 
seien, der Jüngling aber hebt die Hand auf zu der Erschei- 
nung, die allem Streiten ein Ziel setzt. Und so, als die na 
türlichsten Zwischenstufen von der Versenkung in die eignen 
Gedanken bis zum Erkennen des erscheinenden Glanzes, 
sind alle Gestalten in ihrer Bewegung zu deuten, und 
deshalb erschöpft auch die Unterschrift eines alten Stiches 
der Diöputa aus dem Jahre 1552 den Inhalt des Bildes 
mit den Worten „Die vornehmsten Männer, (procerös) 
der heiligen Kirche loben und beten an die heilige Drei 
einigkeit und die von den Bewohnenr des Himmels um- 
gebene Majestät GotteS. Wen sollte ihr Beispiel nicht 
zur Frömmigkeit anregen?" Diese Worte widersprechen 
denen Vasari's nicht. Vasari theilt den Inhalt des Ge 
mäldes nur zur Hälfte mit: er sagt was geschieht. d:e 
Unterschrift des Stiches fügt hinzu, wie eö geschieht; was 
bei Vasori ein Zustand war, wird so zu einer Handlung. 
Es sind die Männer der Kirche, welche über die Drei 
einigkeit verschiedene Meinungen hegen, die dann aber 
durch die Erscheinung der Dreieinigkeit selbst ihrem Streite 
entrückt und durch eine höhere Gewalt als die menschlicher 
Logik zu dem sie alle vereinigenden Resultate gelangen. 
Kann eö danach noch als verlockend erscheinen, für die 
einzelnen, in ihrer Bewegung so deutlichen Personen histo-- 
rische Namen herauszufinden? Es bedarf dessen nicht. 
Und wenn es uns gelänge, das Verständnis; des Gemäl 
des würde dadurch kaum gefördert werden. 
Eine historische Anspielung anderer Art jedoch fällt mir 
auf, die es enthalten könnte. Wir gedenken, daß ui j neu 
Jahren, in denen Rafael im Vaticau zu malen begann, 
der Bau der Peterskircbe vom Papste neu aufgenommen 
worden war. Darauf könnten die mächtigen Anfänge ei 
nes Gebäudes Bezug haben, die sich auf dem Bilde etwas 
gewaltsam sogar tm Vordergründe rectfts bemerklich machen. 
Auch der Bau der Kirche links in der Ferne könnte mit 
Beziehung darauf in das Bild gekommen fein. Damit 
erinnerte das Ganze an diese erste ungeheure Unterneh 
mung des PapfteS, und das Bild träte somit, als ein hi 
storisch symbolisches in eine Reihe mit den übrigen Ge 
mälden in den Zimmern deö Vatican, in denen die Tha 
ten Julius des Zweiten oder Leo's verherrlicht sind. Da 
mit stimmten daun auch die vielen Portraits, die sich nach 
Vai'ari auf dem Gemälde befunden haben sollen. 
Welches Symbol aber wäre passender gewesen, um 
den Neubau der Peterökirche, die gewissermaßen für dre 
Christenheit das war. was der Tempel deö Zeus in 
Delphi für die Griechen, zu verewigen, als die sich of 
fenbarende Dreieinigkeit? Und ihr zu Füßen, als Tauf» 
pathen der neuen Kirche gleichsam, die vornehmsten Män- 
ner, die im Dienste des Glaubens unter den Andern her 
vorragten? Savonavola wurde von Rafael ihnen der. 
gesellt, aus dankbarer Erinnerung an Fra Bartolo- 
meo, seinen Lehrer in Florenz, der ein Mönch in San 
Marco und eifriger Anhänger des großen Mannes gewe 
sen war. Man verehrte thu damals wie einen Heiligen; 
zum Ketzer war er, wie Einige schreiben, niemals erklärt 
worden. Zu alledem noch ein äußerlicher Grund dafür, 
daß mit dem begonnenen Gemäuer der neue Sankt Peter 
gemeint sei: die Höhe scheint dem Maaße von 5 Fuß zu 
eutsptecheu, zu dem die Mauern des Papstes NicoiavS 
gediehen waren, als Julius H. deren Fvrtbau in Angriff 
nahm. 
Auch der Schule von Athen würde jede Bewegung ab 
gehen, wenn wir sie für das gelten ließen, waS Die neuere 
Erklärung aus ihr gemacht hat. Statt mtt einem Gedichte 
müßte man sie dann mit einer gelehrten Vorlesung verglei 
chen. Welcher belebende Gedanke hätte diese Massen so 
geformt, wenn es lauter einzelne Erscheinungen aus der 
Historie der Philosophie wären? Worüber diöputircn Plato 
und Aristoteles? Was lockt die Anderen, ihnen mit so 
plötzlich erwachenden Eifer zuzuhören? Was bewegte die 
Gruppen im Vordergründe? Was ist geschehen, ehe alle 
diese Männer so zusammen kamen? Waö geschieht im 
Momente? Was wird geschehen? — Das find dre drei 
Fragen, die ein ächtes Kunstwerk beantworten muß. unv 
die hier vergebens gethan würden. Mau könnte höchstens 
denken, die Männer würden so sitzen und stehen bis sie 
ermüdeten und dann nach Belieben dahin und dorthin 
gehen. ES wäre nichts als eine große Gelehrtenparade. 
Hätte man wenigstens gesagt, der symbolische Augen 
blick sei dargestellt, in welchem Plato und Aristoteles ihre 
im höchsten Widersprüche befindlichen ersten Ideen einan 
der gegenüberstellen und die übrigen Philosophen je ihren 
Neigungen nach dahin oder dorthin zu sich hinüberziehen. 
Aber diese Bewegung hätte doch nur ernste Männer er 
faßt, während wir hier auch Kinder sehen und überhaupt 
eine Versammlung, die nicht aus Gelehrten, sondern auS 
Leuten jedes Alters zusammengesetzt ist: Volk, um es mit 
einem Worte zu sagen. 
Indessen, diese Einwürfe ließen sich immer noch beseitigen. 
Rafael könnte ja, obgleich es sich hier darum handeln folh. 
das System des uralten Plato dem des nicht weniger uralten 
Aristoteles entgegenzusetzen, diesen trotzdem als den Schüler 
und somit als den jüngeren Mann haben auffassen wollen. 
Und des Papstes Wille hätte es sein können, eine Illu 
stration zu des Diogenes von Laörte Geschichte der griechi 
schen Philosophie (wie Passavant die Sache nimmt), auf 
der Wand seines Zimmers gemalt zu sehn. Und endlich, 
Vasari sagt in der That etwas augenscheinlich unhalt 
bares, wenn er behauptet, die Astrologen hätten den Evan 
gelisten ihre Tafeln gesandt, damit diese sie erklären möch 
ten. Das ist sichtbar, daß zwischen der Gruppe der Astro 
logen und der der Evangelisten keine Spur von Zusam 
menhang vom Künstler angedeutet wurde. Ebensowenig 
! erklären die Evangelisten etwaö. Sie schreiben, mehr 
thun sie nicht. Sie könnten allenfalls schriftliche Erklä 
rungen geben. 
Lassen wir deshalb auch Vasari fallen. . Er liefert 
zu häufige Beweise von Unzuverlässigkeit, als daß man 
seine Sache irgendwo durchfechten möchte. Sei es den 
neuen Erkläreru der beiden Bilder zugegeben, daß 
seine Angaben unbrauchbar sind, und daß man das Recht 
habe, sie beim mindesten Widerspruch mit andern Quellen 
oder auch nur mit deut, waö heute die von ihm belpro- 
chenen Arbeiten rein an sich betrachtet zu enthalten ichei- 
nen. unberücksichtigt zu lassen. Sei auch ferner das an 
erkannt, daß Lomazzo, der in seinem Trattato della Pit- 
tura (Mailand, 1555), mit Vasari übereinstimmt, ihn nur 
ausgeschrieben habe ohne selbst in-Rom die Gemälde zu 
prüfen, und daß es sich mit Borghini (il Riposo, 1585) 
ebenso verhalte: zwei Quellen für die Erklärung der 
Schule von Athen bleiben übrig, denen sich nichts anhaben 
läßt, und die dadurch, daß sie von Vasari in Einigem ab 
weichen, in Anderen, aber mit ihm übereinstimmen, seinen 
Angaben sogar auf's neue eine theilweise Brauchbarkeit 
verleihen. 
Derselbe Künstler nämlich, von dem jener bei der Dis- 
pnta citirte Stich ausging, hat auch die Schule von Athen 
gestochen, ein Blatt, welches in demselben Jahre mit Va 
sari's erster Ausgabe herauskam. Eö ist Giorgio Ghifi, 
ein Schüler Giufto Romano's und in den Traditionen 
der Rafaelischen Schule groß geworden. Die von Ghisi 
aus sein Blatt gesetzte Erklärung der Schule von Athen 
aber lautet dahin, daß der Apostel Paulus dargestellt 
sei, der in Athen daö Christenthum verkündigt. „Paulus, 
zu Athen durch einige Epikuräer und Stoiker in den Areo- 
pag geführt und mitten darauf stehend, erblickt den Altar 
(mit der Inschrift „dem unb kannten Gotte") und erklärt, 
wer dieser unbekannte Gott sei. Er greift den Götzen 
dienst tadelnd an, giebt den Rath, in sich zu gehen, und 
verkündet das jüngste Gericht und die Auferstehung Christi.^ 
Bringt das nicht mit einem Schlage Leben in die Masse 
und erklärt ihre Bewegung? Und eben so klar, wie die 
ses Blatt die Mittelgruppe deutet, zeigt der Stich eines 
noch früheren Kupferstechers, welcher Kern in Vasari'S 
Angabe, die Gruppe vorn linkö seien die Evangelisten 
eigentlich enthalten war. Agostiuo Venetiano, ein Schü- 
r ler Marc Anton's, stach in, Jahre 1524 diese Figuren für 
! sich allein, zu einer Zeit also, zu der das Gemälde 
kaum fünfzehn Jahre alt und weder der ersten Be 
schädigung im Jahre 1527, als der Vatican nach der Grobe- 
rung der Stadr vom Prinzen von Orange bewohnt wurde, 
ausgesetzt, noch auch von den unzähligen späteren Miß 
handlungen berührt worden war, die es durch Beschmutzen, 
Reinigen, Uebermalen und fahrlässiges Copiren erfahren 
hat. Aus Agostino's Arbeit erkennen wir, daß nicht 
Matthäus, wie Vasari will, sondern der Evangelist Lucas 
hi dem schreibenden Alten dargestellt sei, und daß nicht 
geomantische Figuren auf der Tafel des Engels befind 
lich, sondern Worte seines Evangeliums darauf verzeich 
net sind, die er abzuschreiben begriffen ist. Auf den 
Blättern des Buches, in das er schreibt, steht: 
s'ttuvf 6irtt£X<ra n't •yvvv, cpai/q» s’j& reu a"XXou s'tiriv — 
„Da er solches redete, erhob ein Weib im Volk die 
Stimme und sprach zu ihm" «Luc. 11. 27.); auf der Ta 
fel des Engels dagegen weiter: ,ev^ye- 
UiVC « p yt/Mu£s?; «aä iv Xtiyotiites o iwtgJFe? mxA.'stj A 
Zyns - 3-mY“ „Gebenedeyt bist Du unter den 
Weibern und gcbenedeyt die Frucht deines Leibes. Hei 
lig, heilig-heilig, Gott der Herr". (Luc. 1. 42.) 
Beide Stellen sind zusammengeworfen und ein Gan 
zes ist daraus gemacht. Nicht deutlicher aber konnte 
ausgedrückt werden, daß der Evangelist hier eben mit 
göttlichem Beistand sein Werk verfaßte, als indem die 
Fortsetzung seines Satzes auf der Tafel zu lesen steht. 
Wahrscheinlich hat man aus Ueberbleibseln dieser griechi. 
scheu Schrift die Worte: diapason, diapente, aiatesseron 
herausgelesen, welche dastehen sollen, und auf die hin der 
Evangelist in Pythagoras umgewandelt wurde. 
Daß aber schon zu Vasari's Zeiten die Schrift un 
deutlich geworden war, geht daraus hervor, daß er 
Figuren aus der Tafel gesehen haben will. In der 
Gestalt des schönen Jünglings mit der Hand aus der 
Brust, erkennen wir nun Johannes, in den. beiden Män 
nern rechts von ihm, Marcus und Matthäus; in dem 
Gedränge umher daS nach der neuen Lehre begierige 
Volk. Vasari, der im Ganzen also durchaus richtig er 
klärt hat, glaubte Mattyäus statt Lucas zu erken 
nen, weil Matthäus gewöhnlich mit dem dictirenden 
Engel zur Seite abgebildet wird. Hier aber, wo 
auch die übrigen Evangelisten ohne ihre gewohnte 
Begleitung sind,' theilte Rafael den Engel dem Lucaö zu. 
Man muß, wenn man die Gruppe recht erkennen wlll, 
Agostino's Stich mit dem Gbifi's und der modernen Ar- 
beit des Kupferstechers Volpato vergleichen. Wie bei 
Agostino das aufmerksame Schreiben deö Lucas, der himm 
lisch begeisterte Ausdruck des Engels, dessen Haar ganz 
anders als heute geordnet ist, und die von der neuen Lehre 
wunderbar ergriffene Wißbegier des Volkes umher klarer 
.erscheint, als schon bei Ghisi, und wie Volpato nun gar, 
damit zusammengehalten, elegant charakterlose Gestalten 
daraus machte, deren Bewegungen alles Feuer verloren 
haben, und deren Gewänder selbst aus mißverstandenen 
Nachahmungen der ursprünglichen Faltenlagen bestehn. 
Die Abfassung und zugleich die Verbreitung der Evan» 
gelten sollte hier dargestellt werden, deshalb Männer, Kin- 
ser, Alt und Jung und selbst eine Frau in dem Volke, 
das sich von der linken Seite her mit den Bewegungen 
gläubiger Sehnsucht herandrängt. 
WaS bedeutet danach nun das Gemälde? Gewiß war 
nicht beabsichtigt, die Scene streng historisch darzu 
stellen, wie Paulus in Athen den unbekannten Gott ver 
kündet, sondern das Ereigniß sollte nur benutzt werden, 
um symbolisch den Contact des Christenthums mit der 
antiken Philosophie vor Augen zu führen. In seiner 
historischen Bedeutung hat Rafael das Auftreten des 
Apostels in Athen auf einem der für die Sistina gewirk 
ten Teppiche zur Anschauung gebracht. Da sehen wir den 
Kreis der lau'chenven Athener, denen er mit zitternd empor 
gestreckten Händen entgegenredet. Auf beiden Gemälden 
aber steht er vor dem Eingänge eines Gebäudes, zu dem 
Stufen hinanführen, und sogar die Gewänder und das 
Aeußere sonst entsprechen sich. Nur daß er in der Schule 
Non Athen eine vornehmere, mau möchte lagen, elegantere 
Haltung zu bewahren scheint, während er auf dem Teppich 
ganz seinem Eifer hingegeben ist. Aber auch daS wieder 
ist nur eine Sünde der Restauratoren, die auf Volpato'K 
Kripferstich übergehen mußte. Man bettachte Ghifiö Blatt, 
Ein ganz anderer Mann ist der Apostel da; das Haar 
buschiger, der Bart weniger eng anliegend, der Blick, 
feuriger, der Ausdruck weniger zurückhaltend, sondern m 
dem ganzen Wesen der Erscheinung Paulus, der Prediger 
des Evangeliums in der Fremde so fest und unverkenn- 
bar hingestellt, daß der Vergleich mit der Figur auf dem. 
Teppich nun fast völlige Uebereinstimmung zeigt. 
Und uw ihn her die griechischen Philosophen. Den «n- 
geheuren ^Eindruck sehen wir, den die neue Lehre macht. 
Einer in tiefes Sinnen versunken, der andere nachschrei 
bend, ein dritter aus der Ferne die Freunde herbeiwin 
kend, die meisten aber in hingebender Aufmerksamkeit- 
Es sei unverwehrt, den Männern Namen zu verleihen, 
und, da Sokrates und Diogenes einmal genannt sind,, 
auch den übrigen ihr Recht zu Theil werden zu lassen. 
Allein an der Bedeutung des Ganzen ändern solche: 
Entdeckungen nichts. Ich möchte auf Gbifis Stich hin 
sogar die heute so frappante Aehnlichkeit deS SokrateS 
als eine moderne Zuthat in Zweifel zieh». Es ist zuviel 
Neues auf daö Gemälde gekommen. Wo wir heute in 
der Vordergruppe rechts, in der zweiten Person vom 
Rande ab, RafaelS Portrait so deutlich und ähnlich mit 
seitwärts gerichteten Augen uns anblicken sehen, findet sich- 
bei Ghisi ein ganz anderer Kopf; der eines älteren 
Mannes, mit Falten um den Mund. anders gelegtem. 
Haar und ohne eine Spur der sprechenden Äugende-, 
weauug. Rafaels Bildniß ist drüben zu suchen. Ägosti- 
no's Stich zeigt unverkennbar seinen Kopf und seine Ge-, 
stalt unter der des Evangelisten Johannes. 
Ist es mm noch nöthig, die Aufschriften Ethika und> 
Timäus für modern zu erklären, die sich auf dem Ge» 
mälde heutigen Tageö sehr deutlich am Schnitte der bei 
den Bücher leien lassen? ES war etwas natürliches, daß- 
sie auf Vasari's, möglicherweise zu scharf ausgelegte An 
gabe hin, von den neueren Restauratoren iu das Ge-» 
mälde gebracht wurden *). 
Zeigt die Mitte des Bildes also, im Verein mit den 
sich daranschließenden Figuren zu beiden Seiten, die Be 
rührung der antiken Philosophie mit der christlichen Lehre« 
und ist es wohl erlaubt, nun auch an Vasari's Worte zu. 
erinnern, daß Theologie und Philosophie hier in ihrer 
Vereinigung dargestellt worden sind. so zeigen die bei 
den Gruppen im Vordergründe die Anfänge' der beiden 
sich verbindenden Mächte: den der christlichen Gelehrsam 
keit in der urehnourdigen Bchriftstellerei des Evangelisten^ 
den .der griechischen Philosophie in der Mathema 
tik und der Bettachtung des Himmels und der 
Erde. Es darf wenn von den astrologischen Dingen 
des 15. und 16. Jahrhunderts die Rede ist, nicht bloss 
an Spielereien bewußter Charlatcme gedacht weiden. Der 
Glaube war damals tief eingewurzelt, daß die Gestirne 
von Geistern, die man Intelligenzen nannte, gelenkt wür 
den, und daß mit ihren Bahnen die Verwicklungen irdk» 
scher Schicksale tu abhängiger Verbindung ständen. Mac- 
chiavelli und Guicciardini, aufgeklärte Politiker, wagen 
das nicht in Abrede zu stellen, und bei keiner wichtigem 
*) Vas. VIII. 15. Similinente vi e Aristotile e Platone* 
l’uno col Timeo in mano, l’altro ccm l’Euca. Es samt*- 
wenn man will, nur das heißen, daß die beiden Bücher 
Timäu-.- und Ethika seien, nicht aber daß die Titel auf 
dem Gemälde zu lesen wären. Auf den alten Stichen 
keine Spur davon. 
Nur ein Irrthum ist es wohl, wenn Fea, Nuova Des- 
crizione di Roma, 1620. pag. 164. sagt: Platone a destra, 
Aristotile a sirdstra, denn öttf den 1818 erschienenen 
Durchzeichnungen Bach's, der die Hauptgeftalten der 
Schule von Athen Linie Tür Linie genau selbst gezeichnet 
und in Hol, geschnitten bat, ftnben sich die Aufschriften, 
wie bei Volpato. Auch diese Blätter zeigen, wie sehr 
der letztere eine dem Gemälde heute noch fremde, nnkräf- 
tige Glätte in Alles hineingebracht hat.
	        

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