Full text: Zeitungsausschnitte über Veröffentlichungen von Herman Grimm: Über Personen, ihr Leben und Werk

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. Z 27 
Wir Kilten freundlichst um u in - 
A e l; e n d e Zurücksendung dieser 
Cvrreelur an die Adreste: 
Gebrüder Paetel, 
Berlin Lühoiostrahe 7. 
3, 
. Heinrich von Stein. 
Ueber Herkunft und Jugendzeit Heinrich von Stein's entnehme ich einem 
Briefe Folgendes. „Heinrich von Stein stammt aus der Freiherrlichen Familie 
de^^tein von Nord- und Ostheim. Sein Großvater war Minister in Coburg 
(einige Jahre während 1848), fein Vater stand in coburgischem Militärdienst, 
bis er mit der Cobention in preußische Dienste trat. Die Mutter war eine 
geborene von der Ttmn, WWwe des Generals. Heinrich war ein ernstes Kind, 
von klein auf hatte er die Jtzee, Geistlicher zu werden. Er machte Gymnasium 
und Universität so schnell durch, daß er mit zwanzig Jahren fertig war und 
eine Reise nach Italien machte, um sich zu erholen, ehe das Berufsleben begönne. 
Dort ließ er sich bestimmen, nach Bayreuth zu gehen, um Richard Wagner's 
Sohn zu erziehen. Ein Jahr blieb er in dessen Familie, die er nach Neapel be 
gleitete und hing von da ab in der treuesten Liebe an Allem, was mit Bayreuth 
in Verbindung stand. Seines Vaters wegen ging er nach Halle, wo er sich als 
Privatdocent habilitirte. Er las dort (wenn ich mich nicht irre," setzt die Brief 
schreiberin hinzu) über Schopenhauer mit Anschluß an Wagner, und siedelte in 
der Folge nach Berlin über." — 
Mir war, als ich Stein als Privatdocenten hier kennen lernte, nichts weder 
von seinen Schicksalen noch von seinen Arbeiten bekannt. Er kam zu mir ins 
Haus wie andere junge Leute, und das erste Buch von ihm, das ich las und in 
der „Deutschen Rundschau" recensirte, war seine letzte Arbeit. Er hat mir auch 
nicht besonders nahe gestanden. Sein plötzliches Hinweggehen aber hat mich 
erschüttert, als hätte ich ihn von Kind auf gekannt und große Hoffnungen auf 
ihn gesetzt. 
Wer hätte Angesichts dieser blühenden, hochausragenden, breitschulterigen 
Gestalt, dieses Bildes der Kraft und Gesundheit geglaubt, daß Stein nur eine 
so kurze Laufbahn durchmessen sollte. Seine Pläne gingen nach vielen Seiten, 
sein Buch versprach viele Bücher noch, deren Reihe er als Jugendarbeit dann 
eröffnet hätte, sein Einfluß auf die Studenten war ein lebendiger, wachsender. 
Er hatte begeisterte Zuhörer. Was Jedem wohl zuerst bei ihm auffiel, war 
neben einem kindlich vertrauensvollen Wesen der gleichmäßige Ernst, mit dem 
er Alles aufnahm. Es lag Etwas über ihm, das man unbedingte Zuverlässig 
keit nennen könnte. Ich habe einmal als unbetheiligter Dritter ein Gespräch 
/V
	        
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