Full text: Zeitungsausschnitte über Veröffentlichungen von Herman Grimm: Über Erzählungen und Gedichte

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Ist meine Stellung dort nicht einen Pfennig werth! 
Auf's Unbarmherzigste wird eS dann ausgebeutet, 
Mit tausend Glocken mir stets wieder vorgeläutet, 
Bis ich ... Bei meinem Eid! ... mich wirft eS völlig nieder. 
Von einem solchen Fall erholt man sich nicht wieder! 
Nur, nur nicht lächerlich! (wirft sich in einen Seffel.) 
Emma (mit verstelltem Staunen). Sie also? 
Baron (ängstlicher, und wieder aufspringend). Geben Sie 
Die Hand darauf, daß Sie nie einem Menschen, nie 
'Ner Seele anvertrau'n, wie ohne meine Schuld 
Ich mich getäuscht. — Die Hand —-!—- 
Emma (die Hände auf den Rücken haltend). Mein Gott, Baron, 
Geduld! 
Sie legen Werth darauf, daß keiner das erfahre? 
Baron. Versprechen Sie es mir, auf Ehre! 
Emma. Gott bewahre! 
Wir stehn nicht auf dem Fuß, so ohne jed' Bedenken 
Uns mit so wichtigen Eidschwüren zu beschenken: 
Ich halte reinen Mund; was geben Sie dafür? 
Karl (sic unterbrechend). Gnädigste Frau, cs steht der Wagen vor 
der Thür. 
Ich fahre fort. 
Emma. Nichts da, und ohne Widerspruch! 
Sie bleiben, bis ich hier — es ist noch Zeit genug — 
Mit dem Baron zum Schluß und Abschluß kam. 
Baron. Oh Alles, 
Was Sie verlangen! 
Emma. Nun, so fordr' ich jedesfalles 
'Neu kleinen Dienst. 
Baron. Oh mehr! — Verlangen Sie! 
Emma. 3 ub0 r 
Auch ein Geheimniß; ich sag's Ihnen in das Ohr: 
Sie wiffen, jener Herr hat einen kleinen Zwist 
Mit Julien, die mit ihm ver..- 
Baron (rasch). Was ver...? 
Emma (leise zu ihm gebeugt). ... sprachen ist! 
Baron. Ah! — 
Emma (wie oben). Keiner weiß davon. Nun aber thun Sie mir 
Die Liebe an, Baron, und halten Sie ihn hier. 
Baron. — Das kann ich nicht! 
Emma. Gut denn. Sie schlagenS ab ? und ich 
Verspreche nichts. 
Baron. Das ist zu arg, das tödtet mich! 
Emma. Ganz decidirt? 
Baron. Nein! — ja! (indem er sie hält, da sie gehen will.) 
Emma. So gehn Sie auf der Stelle. 
Baron. (Des Teufels Backenzahn holt' ich eh'r ans der Hölle. 
Als das zu thun!) 
Emma. Es steht bei Ihnen. 
Baron. Gebe nach. 
Ich gehe, gnäd'ge Frau (zu Karl gehend). Mein liebster Mergelbach . 
Karl (barsch). Was soll's? 
Baron (dreht um zu Emma). Nein, ich kann nicht! 
Emma (kalt). Mein Gott, es ist kein Zwang. 
So unterlassen Sie'S. 
Karl. (Das dauert mir zu lang). 
Ich gehe, gnäd'ge Frau. 
Baron (vortretend, mit der alten Sicherheit). Mein Herr verzechn 
Sie, wenn 
Ich etwas unNar war; doch hören Sie mich, denn 
Sie müssen. Heute sprach ich über Stadt und Land 
Mit Ihnen, und es war- kurz, ich erschien ... i . fan , 
Das Fräulein wäre mehr für Stadt als Land bestimmt. 
Julie. Ich?—!— , ^ . 
Baron. Ja,mein Fräulein, Sie. —Doch wenn mans ander mmm , 
So glaub' ich in der That, ich irrte darin sehr, 
Daß ich — kurz, inein Beweis war falsch. Dieß um so mehr, 
Als Sie mich, was ich sprach, nicht ganz vollenden ließen. 
Wir unterbrachen uns, drum lassen Sic nlich schließen, 
Und Sie versichern, daß ich überzeugt bin .. . 
Julie. 
Geht mich an, wie cs scheint! Nun, also weiter — ? Was 
Ging vor, das mich betrifft? 
Emma (dazwischen tretend). Baron, ich bin zufrieden! 
Und ihr versöhnt euch nun und stiftet endlich Frieden. 
(zu Julie.) Karl hört von dem Baron ein wenig von Berlin, 
Und fürchtet auf einmal, du paßtest nicht für ihn. 
Deßhalb gab er das Recht, dich zu besitzen, auf 
Und wollte fort; doch nun klärt sich die Sache auf, 
(zu Karl.) Und reuevoll bleibt er und bittet seine Schuld 
Dir ab, du aber scheitkst ihm wieder deine Huld. 
Karl (zurücktretend). Nein, so war's nicht gemeint! Was thut's, 
aus welchen Gründen 
Der Freiherr mit mir sprach? Ich muß doch schließlich finden, 
Er hatte Recht. — Und du, so reizend wie du bist, 
Gehörst nicht auf das Land, das dir ein Schrecken ist. 
Erwogen hab' ich's wohl, für meine Frau bist du 
Zu gut, zu schön, es paßt in einen Bauernschuh 
Dein Fuß nicht, nicht dein Herz in eine Einsamkeit, 
Die dir so vieles raubt, so wenig dir verleiht. 
An mir, so grob gewebt, wär' all dein Reiz verschwendet, 
Der, weil ich dich geliebt, die Augen mir verblendet, 
Mich nicht bedenken ließ, wie wenig du geschickt 
Für eine Zukunft bist, die dich so bald erdrückt. — 
Laß mich die Wege gehn, für die mein Fuß gemacht, 
Bereu'n, was ich verfehlt und bester nun bedacht. 
Du wirst es mir verzechn; ich sah dich nur, und wer 
Das Herz voll Liebe hat, wie schaut der um sich her? 
Doch wenn er's endlich thut, auf sich zurückgelenkt, 
Die Wildniß sieht, in die er eine Rose senkt, 
Wohl ihm, wenn's ihm vergönnt, bei Zeiten umzukehren, 
Und noch mit eigner Hand das Unheil abzuwehren! 
So geh' ich. Wenn das Glück dir reiche Tage gibt, 
Vergiß mich dann nicht ganz — und wie ich dich geliebt! 
Julie. Den halt' ich nicht zurück, der mich verläßt; geh' hin! 
Das aber schwör' ich dir, daß ich dir schuldlos bin; 
Daß ich, auch nicht im Traum, jemals an das gedacht, 
Was du, Gott weiß warum, verwirrt hier vorgebracht. 
Glaubst du, als ich mich dir mit meinem Ja verband, 
Als ich vertrauensvoll dir reichte meine Hand, 
Ich hätte nicht vorher reiflich das Wort erwogen, 
Daß es nicht wie ein Blatt vom Zweige abgeflogen, 
Das sich gedankenlos, wohin der Wind es trägt, 
Dem Zufall übergibt, der dir's zu Füßen legt? — 
Wie sehnt' ich mich so oft, allein in der Natur, 
Ihr stille nachzugehn auf unbetret'ner Spur, 
Die Ruhe, die ich oft gesucht und nie gefunden, 
Zu finden, wo du bist, und mit dir zu gesunden; 
Aus all dem wüsten Lärm, der fruchtlos uns umgibt 
Wo alle Welt sich kennt, ach, und sich niemand liebt',
	        

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