Full text: [Rezension:] Die althochdeutschen Präpositionen. Ein Beytrag zur deutschen Sprachkunde und Vorläufer eines althochdeutschen Sprachschatzes, nach den Quellen des achten bis elften Jahrhunderts, Von E. G. Graff. (..) Königsberg: Bornträger 1824

1824. 
Zur deutschen Sprachkunde. 
© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
neben ist n-eben, und noch mhd. zuweilen en-eben, ahd. Ln- 
eban, aber auch schon n-ebnn (Grafs S. 99, 100) bedeutete 
also ursprünglich: in gleicher Linie, hernach: zur Seite, das 
ags. on-eknn hebt jeden Zweifel; das altn. d-möti (contra), 
dan. i-jnod ist componirt mit dem Subst. mot (coneursus), wie 
das lat. ob-viain mit via; das dan. om-krin$ (ringsum), altn. 
i- kl ing wie das sranz. en-viron (in gyro), en-torn (in 
turno). Bey dem nhd. zwischen ist die einfache Präp. in oder 
nntar weggefallen, jenes ursprünglich Dat. Pl. des Adj. zwisc 
(binus) , ahd. untar-zuiskem (inter binos) , N. 85, 11. io5, 
9; inzwischen, W. 1, 13 ; gerade wie in-mitten (in mediis) 
später gebraucht wird. Je höher aufsteigend, desto seltner wird 
man dergleichen Bildungen wahrhaft Präpositionelle Kraft beyge 
legt finden; zuerst haben sie bloß adverbiale oder conjunclionelle^). 
Im Goth. zeigt sich noch gar keine solche Präposition, adverbial 
lijch stehet z. B. bisunjane, Marc. 1, 38: du thaim bisunjane 
haimom (eis* ras y.oajao7z6\eis) ; Marc. 3, 34 • bisaih- 
vands bisunjane thans bi sik sitandans (Trepißhei/idjuevos xvxhcp 
7ovs 7repi clvtov na^7]jx£vovs'); Mare. 6 / 6 : bitauh veihsa bi 
sunjane (xzpirjys. Tas zco/ias- zux/tw); Lue. 4, 37: and allans 
stadins this bisunjane landis (szs ndvra toxov ttjs nepiyoipov) ; 
Luc. 9, 12: in thos bisunjane haimds (eis tccs xvxXcp zco/zas-)* 
Es kann nicht wohl etwas anders seyn, als der Gen. Pl. von 
bi - sunja, hi im (Sinne von ahd. umpi, und sunja verwandt 
mit ahd. siuni (visio, spectaculum), ags. sfne, altn. siön 
genommen , vgl. altn. um - sidn (providentia). Die Bedeutung 
ist: im Umkreis, in eonspeetu. 
Die Möglichkeit, einzelne und meistens neuere Präpositionen 
auf diese Weise wirklich zu erläutern, führt eigentlich keinen Schritt 
näher zu dem Verständniß der älteren und einfacheren. Das 
Mittel, wodurch die Sprache abgehende Wörter oder Formen er 
setzt, ergänzt, verfeinert, beweist gar nicht, daß ein gleiches bey 
der ursprünglichen Einrichtung und Bildung dieser Redetheile 
gewaltet habe. Man wird sich häufig getäuscht sehen, wenn es 
den Versuch gilt, in so kleinen, oft aus zwey, drey Buchstaben 
bestehenden Wörtern, wie diese Präpositionen sind, lebendige 
Wurzel oder gar Zusammensetzung aufzuspüren. Vor dem Schein 
von Verwandtschaften, wie ihn die Oberfläche darbietet, die Er 
gründung der Lautverhältnisse aber bald vernichtet, hat man auf 
der Hut zu seyn. Wie leicht ist manchen Sprachforschern die Be- 
*) Die poetische Lebendigkeit der alten Sprache erfordert aber solche 
Umschreibungen. Für oben, unten heißt es lieber zen houbeten, 
zen vuezen (zu Häupten, zu Füßen), am Gipfel u. s. w.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.