Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
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Altdeutsche Predigten. 
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dem himelriche möhtet körnen, ir sit aber gar fremde geste 
da; ihr werdet ewiglich mit iurem verwert oder gilwcn da 
ze helle brennen. Nib. 6629. gevelschet yrouwen varwe, 
Wolfram im Parc. 133 c . gestrichen varwe üfez vel ist 
selten worden lobes hei, swelch wiplich herze ist stspte 
ganz, ich wtene diu treit den besten glanz. — V 0 rdrän- 
gen und Geschwätzigkeit der Frauen (S. 342). Keine 
Frau sott zur Zeit/ so man Messe singt/ bey dem Altar zu thun 
haben / noch sonst in dem Chore seyn. Le cht können sie da an 
dem Priester ihre Seligkeit verwirken. Es ist ein schädliches 
Ding/ daß die Frauen sich immer hinzudrängen/ wo man Gott 
dient. Im alten Bunde standen sie besonders/ daß andere Män 
ner sie nicht sahen (S. 343). So sprechen sie in der Kirche/ 
wie auf einem Jahrmärkte / hin und her, was jeglicher gesehen 
in fremden Landen auf der Meer- oder Romfahrt oder zu St. 
Jakob. Und die Frauen lassen ihren Mund nie stehen von 
unnützem Gespräche. So sagt die von ihrer Dirne/ sie schlafe ß 
gern und wirke ungern; die von ihrem Kinde/ es sey »muelich« \ 
und nehme nicht zu, statt daß sie Gott klagen sollten ihr Ungemach 
an Leib und Seele/ vor allem aber die Sünde mit reuigem Her 
zen und mit schöner Zucht stille schweigend / bey sich selber. — 
Verhätschelung der Kinder (S. ^<|). Daß reicher 
Leute Kinder weniger zu alten Leuten werden, als der Armen, 
das kommt von der Ueberfüllung und Verzärtelung: so machet 
im diu swester ein mueselin und strichet im eht in. So 
ist sin hevelin klein sin megelin und ist vil schiere vol 
worden, so püpelt ez im her wider uz; so strichet eht sie 
dar. So kumet danne diumuome, diu tuot im daz selbe. 
So kumet danne diu amme und sprichet: d we mins kin- 
des! daz enbeiz hiute nihtes. Diu strichet im danne als ie 
von erste in, so weinet ez , so zabelt ez. — Höfisch e 
Sitten der Weltlente. Die wahre Zucht und Tugend besteht 
nicht in ängstlicher Beobachtung dessen, was man den guten 
Und feinen Ton heißt (S. 187). Er meinet aber niht die 
tugent, daz eteliche liute tugent heizent. So einer ein 
boteschaft hövelichen gewerbenkan, oder ein schüzzel tra 
gen kan, oder einer einen becher hövelichen gebieten kan 
und die hende gezogenliche gehaben kan oder für sich ge 
legen kan, so sprechent eteliche liute: weck, welch ein 
wol gezogen kneht daz ist oder man und frouwe! daz ist 
gar ein tügentlicher mensche, we wie tügentliche er kan 
gebären. Sich , die tugent ist vor gotte ein gespÖtte und 
gesellet got ze nihte (S. 323). So rücket einez diu gürte 
lin hoher (Zeichen der Hossart) S. 369. Kann eines nicht 
t/h 
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