Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

23o 
Altdeutsche Predigten. 
XXXII. Bd. 
teic mit hefel; so du warnest, du habest brot, so bästu den 
bist für brot kouft. Und der pfreigener (t>er IM Kleinen mit 
Speise und Trank für die tägliche Nothdurft handelt) giuzet 
etewanne bier oder waz/.er in daz olei. Und der fleisch 
slahter hat veil etewanne kelberin fleisch und giht, ez si 
drier wochen alt oder git müterin fleisch für berginez 
(schweinernes, von barg, porcus). Er mag etewanne ein 
kranker (krankez?) mensche ezzen, daz ez den tot davon 
hat odr ein frouwe, diu in kintbette lit. — Daß bey einem 
Strafprediger/ wie BertHold, die Eitelkeit der Frauen nicht 
leer ausgeht, versteht sich von selbst, er theilt bey der Veran 
lassung Nachrichten über damalige Trachten mit. Neue Mo 
den sind wohl in jedem Zeitalter den Geistlichen anstößig und 
unanständig erschienen: führen sie sich nichts destoweniger ein, 
und gerathen selbst wieder in Abgang, so wird in der nächsten 
Generation dieselbe vorher verschriene Tracht die Tracht der 
Ehrbarkeit. Heftig eifert Bert hold wider die gilweriflne 
(Gelberinnen) mit dem gelwen gebende (S. 19, 121, 249, 
294, 401), und stellt ihnen die heilige Elisabeth mit dem 
demüthigen Gewände entgegen; Jesabel sey eine »beese hüt 
und gilwerin« gewesen. Die gelben Schleyer und Bänder 
(gebende ist der Kopfputz) müssen damals in Baiern von 
leichtfertigen Dirnen getragen worden seyn (S. 253, 359, 383); 
diesen , so wie den Jüdinnen und Pfäffinnen soll man die gelben 
Bänder überlassen. S. 401: Ihr Frauen sollt den Männern 
nicht gelbe Bänder vortragen, sie sollen sie euch nicht anhängen. 
Eine solche Frau heißt nach Salomo (eher nach Mareolfischer 
Genealogie) Schendela, und der Mann danach mit Recht 
Schandolf. Ich wüßte nicht, daß in den Gedichten die 
gelbe Farbe so verunehrt würde? In dem von den sechs 
Farben (Fragm. XXIV — XXVI, und Liedersaal I, 153) wird 
sie zuletzt aufgeführt, und die Farbe glücklicher Minne genannt, 
man sehe sie selten tragen: Nach unseren heutigen Sitten ist es 
sehr ungewöhnlich^, sich in hohes, reines Gelb zu kleiden, und 
nur jugendlich blühende Frauen dürsten es wagen; außerdem 
erweckt die Farbe den Begriff des Jüdischen, Neidischen (Frey- 
gedank "?25) Das gemeine Volk schätzt sie höher; in der 
Gegend von Göttin gen liegen Dörfer, wo sich alle Bäuerin 
nen reichlich gelb bebändern. Jüdinnen sollen gelbe Tracht lieben, 
die gelben Judenhüte im Mttelalrer sind bekannt.— Nächst dem 
Gelben haßt Berthold die Schminke (S. 19): pfi, wie 
sitzest du da vor minen ougen, malevin? wiltü dich baz 
malen, danne dich der al mehlige got hat geschaffen V 
(0.349); pfi H' verwertn und ir gilwerin, wie gerne ir ze
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.