Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
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cum illis de aqua nigra. Auf die Erläuterung aller dieser Na 
men ist es hier nicht abgesehen. Zur Deutung der Bertholdi- 
schen Anführungen werden sie aber, nebst des Reinherus (eines 
mit Berthold gleichzeitigen Predigermönchs/ der früher selbst 
Ketzer gewesen war) tractatus contra Valdenses (bibl. max. 
patr. Tom. XXV. Lugd. p. 262 ss.) hinreichen. Berthold 
hat ohne Zweifel von den kaiserlichen Gesetzen oder der päpstlichen. 
Bulle genaue Kunde gehabt. Seine Poverlewe sind die Leo- 
nistae, welche der Abt von Ursp. in der oben ausgezogenen 
Stelle die paupere3 de Lugduno nennt, Reinher c. 5 secta 
pauperum de Lugduno, qui etiam Leonistae dicuntur. Will 
man in dem lewe oder lei nicht Lion erblicken , so könnte es 
vielleicht die niederdeutsche/ flandrische Aussprache von Leben 
(vita) seyn / und pover leve das Idt. fraterculi depaupere vita 
übersetzen, wie dieselben Ketzer auch genannt wurden. Die Fran- 
ciskaner hießen gleichfalls fraterculi, fratricelli, d. i. fratres 
rninor65 oder rninirni, folglich Miuoriten Vom Thomas v. 
Aguiu 0 wird in den act. sanct. mart. T. I. p. 666 gesagt: 
destruxit errorem, cujus sectatores simul et inventores se 
nominant fraterculi de vita, paupere. Im Anfange des vierzehn 
ten Jahrhunderts erließ Johannes XX. die 22. Extrava- 
vagante contra nonnullos profanae multitudinis viros, qui 
vulgariter fraticelli, seu fratres de paupere vita (romanisch 
de povera vita, pauvre vie, halbdeutsch pover-leve?) bizochi 
(Sackträger) etbeguini nuncupantur. Das Buch von den neun 
Felsen (über de novem rupibus) wird dieser Sekte beygelegt. 
Bertholds Rnnkeler/ wer würde sie in den Burgari 
der Verordnung erkennen? Die hergestellte Lesart Runcaroli, 
der das Romanoli schon näher kam/ läßt keinen Zweifel. Rein- 
ber, cap, 4 und 6/ heißt sie Runcarii. Du Lange h. V. leitet 
die Benennung vom Orte Roncaüa ab, oder daher/ daß sie an 
wüsten Oertern (runcariis) hausten. Wie/ wenn sie vom Tragen 
der Messer genannt wurden/äderen B e r t h 0ld gedenkt? runco 
bedeutet ein langes Messer. Sie scheinen sich vorzüglich nach 
Süddeutschland verbreitet zu haben (qui Alemanniam veneno 
pravitatis haereticae infecerunt)*. Bertholds Sporer 
sind wiederum unverkennbar die 8peronistae oder 8poronistae, 
denn beyde Lesarten führen auf dasselbe, den Namen nimmt er 
selbst (S. 3o5) so, daß ein Spornmacher (ital. spronajo, spe- 
ronajo) Stifter der Sekte gewesen sey: welch der tiuvel gap 
im den gewalt, einem schuocksuter (Schuster) oder einem 
ivöber (l. weber) oder einem spörer, der din meister ist? 
Bekannt und sehr begreiflich ist, daß sich viele Abirrungen in 
Glaubenssachen zuerst in dem Gemüth einfältiger, zu geistlicher
	        

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