Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

Altdeutsche Predigleo, 
finden, setzen jene gesetzlichen Regeln, die das Taugliche, das 
sich mit dem Ketzerthume gemischt hatte, beybehielten, aufge 
kommen^ Daher das gleiche Gelübde der Armuth und der 
nähere Umgang mit dem Volke. Das beschauliche geistige Le 
ben, das unter gemeinen, unwissenden Menschen zum Ver 
derbnis; auszuschlagen drohte, sollten die gelehrten, der Kir 
chensatzung kundigen Mönche zügeln. Wenn auch diese Vor 
stellung unrichtig seyn sollte, und vielleicht umgekehrt aus 
einer entarteten Unterabtheilung der Mönchsregel die ihnen 
äußerlich nicht unähnliche Ketzerey entsprungen seyn könnte^, 
oder noch lieber, wenn das beyden zum ersten Grund liegende 
in dem Geist der ganzen Zeit gesucht werden muß; so läßt 
sich, schon weil nah an einander stoßendes desto greller von 
einander abstößt, begreifen, warum die Minoriten und Pre 
diger eben die erbittertsten Ketzerfeinde waren. In der Ge 
schichte des dreyzehnten Jahrhunderts erscheinen sie immer so, 
voraus noch die Prediger, und durch ihren Einfluß wurden 
auch in Deutschland Fürsten und Volk zu manchmal grau 
samer Verfolgung armer, verführter Menschen aufgeregt. In 
Teutonia lmiitae haefeses deteguntur et haeretici ilantjnis 
puniuntur (annales Godefridi morachi ad ann. , 282). lEin 
sonst sinnreicher, redlicher Dichter, der Verfasser des welschen 
Gastes (noch vor. 121 b), scheut sich nicht, den schrecklichen 
Spott in den Mund zu nehmen: der Herzog von Oester 
reich lasse Ketzer sieden und braten, daß sich der Teufel daran 
nicht die Zähne verbeiffe (eod. pal. 389, 194?), gleich als 
verdiene der Feind aller Menschen mehr Rücksicht, die verirrten 
Menschen weniger. ^ Wie, ketzer, bist dujjergent hie, fragt 
Berthold (jetzt unter meinen Zuhörern)? Nü° wolle der al- 
mehtige got, daz deheiner für mir (in meiner Gegenwart) 51. 
Sie gent oucli niht ze frumen steten; sie gent ze den wilrcn 
und ze den dorjern gerne und halt ze den kinden diu der 
gense huetent andern velde♦ Und etewanne giengen sie gar 
in geistlichem gewande und swernt (besser wohl swuoren) niL-t 
durch dehein dinc, da hi wart man sie erkennen. Nü wan 
deint si ir leben und ir ketzerie , rehtc als der inane, der 
sich da wandelt in so manige wise. Also tragent nü die 
ketzer swert u. mezzerlangez har> langez gewani und 
swernt die eide nü Sie haeten etewanne den tot e geti 
ten; wanne sie sprächen, got der haeten die cide verboten. 
Und ir meiste^ habent sie in nü erloubet, daz sie eide 
swern (S. 304. 3o5). Was er von der Tracht und Bewass- 
nung der umstreifenden K/tzer jagt, ist merkwürdig; mit ihcer 
Trennung von den Rechtgläubigen wurde auch die Abweichung
	        

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