Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

© Hessisches Staatsarchiv Marburg, Best. 340 Grimm Nr. L 29 
8 2 5. 
Altdeutsche Predigten. 
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uen besonderes Leben. Die Chroniken versichern ausdrücklich/ daß 
Berthold auf der Linde *)/ auf Wiesen predigte und 
einige Stellen auS dem hier gedruckten Buche beweisen es ohne 
hin. * Er will @. 358 oie Furcht des Menschen vor dem schau 
derhaften Anblick des Teufels schildern. Wie wir sterben würden 
vor Freude/ wenn wir Gott sahen mit fleischlichen Augen/ also 
vor Furcht/ wenn wir die Teufel sahen. Ginge er jetzt dort 
her vor dem Walde und wäre diese Stadt ein glühen 
der Ofen / alles würde sich in diesen drangen. Ein mächtiges/ er 
greifendes Bild. Seite 178 wird die alles übertreffende Heilig 
keit des verwandelten Brotes in Priesters Handen vorgestellt/ 
bey dessen Begegnung jedermann mit Hintansetzung aller andern 
Rücksichten zu Füßen fallen solle: ich wil ein groz dinc ieze 
sprechen, und warez, daz ein dinc mügelich waere, daz 
unser frouwe, min frouwe sancte inaria gots muoter, 
daz sie iezunt da üf der schönen u’isen w&re , und 
alle die heiligen und alle die engele, die wurden, obe daz 
müglich waere, daz sie da die witen haeten (Raum fanden?) 
und ich des wert waere, daz ich daz selbe himelgesin(le 
do sehen solde, und ich gienge des endes, und ich wolte 
sie harte gerne sehen (und wizzet, daz ich sie harte gerne 
und ane mazen gerne wolte sehen) und ich uf dem wege 
waere, daz ich mine frouwen sant Marien gerne wolte se 
hen, und ein herre, ein priester gienge gein mirundtruege 
unsern herren, als er dd ze dem siechen mit get, so wolte 
ich mich gein dem priester kern, der unsern herren truege 1 
und wolte gein im an m|ne venie vallen uf m|n knie, e 
danne gein m^ner frouwen sanct marien und allen heiligen 
und allem himelischen her. Ueber die dem Priester schuldige 
Ehre ist auch S. 176 und 347 zu vergleichen und eine Stelle im 
Parcifal 122». 
Der große/ Bruder Berthold zu Theil gewordne Beyfall 
darf nicht verwundern. Seine Beredsamkeit ist die wahre/ welcher 
Gedanken und Worte beynahe nie versagen/ die in natürlicher 
kräftiger Einfalt zu den Herzen dringend ihrer Wirkung sicher ist. 
*) Der Ausdruck sub tilia kann nicht bedeuten: unter der Linde, 
was zweckwidrig gewesen wäre, sondern super (Du Cange v. sub) t 
wie auch die Stelle aus dem Anon. Leobicnsis erläutert; auf 
dem Gipfel des Baums wurde ein Gerüste gebaut, das der Predi 
ger bestieg; eine Waldkanzel. Das meinen auch wohl des Anon. 
Leob. eminentia propugnacula. Man versieht noch jetzt hohe 
Eichen und Linden mit Geländern zur freyen Aussicht in die Weite 
und vielleicht ist auch S i g u n e n s auf der Linde sitzen (Parc. 60» ) so 
gemeint.
	        
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