Full text: [Rezension:] Berthold des Franziskaners deutsche Predigten aus der zweyten Hälfte des dreyzehnten Jahrhunderts (..), hrsg. von Christian Friedrich Kling. Mit einem Vorwort von Dr. A. Neander. Berlin 1824

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Altdeutsche Predigten. 
XXXII. Ld. 
konnte. Ein Mann, der sein Zeitalter mächtig ergriff, wie der 
Herl. Bernhard, in welcher Zunge hat er gesprochen ? Seine 
gedruckten lateinischen Sermone tragen ganz den Schein ursprüng 
lich lateinischer Abfassung, sie sind beständig an die Fratres ge 
richtet und waren bloß zur Erbauung der Mitgeistlichen bestimmt; 
sie haben auch keinen populären Schwung. Allein so oft er vor 
einer großen und gemischten Menge redete, bediente er sich wohl 
des romanischen (mehr nordfranzösischen, als provenzalischen *) 
Idioms? Es sind altfranzösische, noch ungedruckte Handschrif 
ten vorräthig (lckocsuekort table des auteurs p. 757), deren 
Herausgabe von den Franzosen nachgeholt werden wird, sobald 
sie einsehen lernen, daß sie gerade die für die Geschichte ihres 
Mittelalters und ihrer Sprache wichtigsten Denkmäler vernach- 
läßigt haben. Roquefort hebt einzelne Proben verschiedentlich 
aus (z. B. unter nateit, osse, pannir) mit dem entsprechenden 
lat. Tert, woraus man schließen könnte, daß die etwas umständ 
lichere und erweiternde Übersetzung nicht von Bernhard selbst 
herrührt. Ohne vollständige Vergleichung wäre es aber voreilig, 
für oder wider die Originalität des altfranzösischen Testes zu 
entscheiden. Um wieder auf B e r t h o ld zu kommen, so will ich 
nicht läugnen, daß von ihm selbst lateinisch abgefaßte Predigten 
eristiren, nur keine sermones rusticani; finden sich aber in den 
lateinischen und deutschen Handschriften dieselben Reden, so 
wird sich aus dem Zusammenhalten bald ergeben, welche man für 
die Uebersetzung zu halten hat. 
Unter seinen Predigten scheinen sich einzelne theologische 
Ausarbeitungen anderer Art zu befinden. Der Herausgeber be 
merkt mit Recht S. <)^, daß die 98— 111 abgedruckte geistliche 
lere von guotcm leben keine Predigt sey. Sle ist auch in einem 
edleren, gebildeteren Styl abgefaßt und befolgt einen strengeren 
Zusammenhang der Gedanken; keine Zuhörer werden angeredet, 
sondern die Abhandlung ist an eine einzelne Person gerichtet, die 
ihn darum ersucht hatte (als du mich dicke gebeten hast). 
Leser, die sich minder freuen an der Popularität der übrigen Re 
den und die Anspielungen auf Sitte und Geschichte geringer an 
schlagen, wird dieses Stück leicht das ausgezeichneteste des Bu 
ches dünken. Es könnte von B er t h o ld selbst niedergeschrieben 
und etwa die institutio vitae religiosaefscyn, die Fabrieius 
meint. Zweifelhaft bleibt, ob das zu Eingang dieser Recension 
gedachte horologium deyotionis unserem B e r t h o l d, oder gar 
einem späteren gleiches Vornamens gebühre? Fugger in der 
*) Gebürtig aus Burgund, und C l a i r v a u x lag in C h a m- 
p a g n e.
	        
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