Volltext: Brief von Louis Spohr an Adolf Friedrich Hesse

Theil Deutschlands zu einigen, wird sich
nun bald zeigen. Gelingt es nicht, so
fürchte ich einen allgemeinen Krieg und
dann kann doch noch die Democratie siegen.
Bleibt es ruhig, so kommen wir diesen
Sommer sicher nach Breslau und dann wollen
wir beym Musiciren alle Welthändel ver-
gessen.
Frl. Meier hat hier wegen ihrer frischen
klingenden Stimme, reinen Intonation,
und gutem Spiel sehr gefallen und i[st]
auf dem Wege der Liebling des Publi[cums]
zu werden. Einige Untugenden im [Vor]-
trag hoffe ich ihr abgewöhnen zu können
und dann wird sie eine Zierde unserer
Oper seyn.
Vor der Krankheit meiner Frau hatte
ich angefangen eine Sinfonie zu schreiben
(die 9te.), nachdem ich ein (5tes) Claviertrio
beendigt hatte. Sollte es mir gelingen
die Sinfonie, von der nun erst der 1ste Satz
fertig ist, zu meiner Zufriedenheit zu vol-
lenden, so werde ich sie nebst den übrigen
neuen Sachen mit nach Breslau bringen.
Leben Sie bis dahin wohl. Unter herz-
lichen Grüßen von meiner Frau und mir

der Ihrige
Louis Spohr

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